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Andrea MartinaVonAndrea Martina

Nähe und Distanz vom 6.9.

Manchmal, wenn wir am dringendsten Nähe brauchen, distanzieren wir uns am meisten.

Letzten Donnerstag ging es darum, zwischen Nähe und Distanz ein Gleichgewicht zu finden. Um das Thema direkt erlebbar zu machen, haben wir dazu ein paar Übungen gemacht. Jeweils zwei Leute haben sich gegenüber mit einem Abstand von ca. 4 Metern aufgestellt. Zuerst sollte die Person von links langsam auf die andere zugehen und miteinander sollte nonverbal abgestimmt werden, wann sie stehen bleibt. Beim zweiten Durchgang ging die Person von rechts auf die andere zu und bei einem letzten Durchgang gingen beide aufeinander zu und blieben voreinander stehen.

Wie wurde nun kommuniziert? Über Augenkontakt, Lächeln zum Beispiel. Was waren Hindernisse? Größe, sich nicht trauen, dem anderen zu signalisieren, ob man mehr Nähe oder mehr Distanz braucht. Im Großen und Ganzen hielten viele eine Entfernung von circa einer Armlänge ein, was auch unseren kulturellen Gewohnheiten entspricht. In Japan sieht man sich beispielsweise nicht unbedingt in die Augen beim Gespräch, während die Gepflogenheiten in südlichen Ländern oft mehr Nähe zulassen.

Einige berichteten, dass sie in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, Nein zu sagen und ihre Grenzen im Miteinander schnell überschritten wurden. Eine andere Problematik ist die der Co-Abhängigkeit, wenn man so auf eine andere Person fixiert ist, dass man es alleine nicht gut aushält. Grenzen sind also immer wichtig, um sich selbst zu spüren, aber auch Nähe zuzulassen ist eine Kunst. Das Geheimnis liegt wohl darin, immer wieder auf andere Menschen zugehen zu können und sich auch immer wieder entfernen zu können ~ so wie es unsere Übungen am Anfang gut veranschaulicht haben.