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OliVonOli

Gruppenausflug zu den Hermannsdorfer Landwerkstätten bei Glonn

Am Samstagmorgen, den 25.08. trafen wir uns an der AWO in Markt Schwaben um zu den
Hermannsdorfer Landwerkstätten nach Glonn zu fahren. Das Wetter stand uns bei und die
Sonne strahlte den ganzen Tag. Auf der Hinfahrt unterhielten wir uns angeregt im Auto
über die schöne Landschaft und freuten uns auf die kommende Hoführung.
Die Hermannsdorfer Landwerkstätten sind deutschlandweit bekannt für Ihre ökologische
Landwirtschaft und die Schweine- und Hühnerhaltung. Nach Ankunft besorgten wir uns die
Tickets und bestaunten das schöne Landgut. Die Führung übernahm pünktlich gegen
10.00 Uhr eine sehr nette und freundliche „bayerische“ Dame, die uns im Schatten die
Philosophie und Geschichte des Unternehmens näher brachte.


Der Gründer Karl Ludwig Schweisfurth wurde geprägt durch seine Lehr- und Wanderzeit in
Amerika der 50er Jahre und schaffte im Januar 1984 eine für sich stimmende Wende
herbei. Die Botschaft: Höre auf und fange neu an – klein, überschaubar und mit
menschlichem Maß. Wieder alles zusammenbringen, was zusammengehört: die Bauern,
die Lebensmittel-Handwerker und die passionierten Verkäufer als Mittler zum Verbraucher.
Knapp 20 Minuten dauerte die geschichtliche Einführung. Wir alle horchten interessiert
und neugierig zu. Fragen waren erlaubt und wurden auch von den ein oder anderen
Teilnehmen gestellt.

Die Führung begann mit der Begutachtung der Schweinehaltung, es
wurde uns ausführlich erklärt wie die Schweine gehalten werden, welches Futter sie
bekommen und wieso auf dem Hof das reinrassige Schwäbisch-Hällische Schwein mit
dem Piétrain- und auch Duroc-Ebern gekreuzt werden. Anschließend ging es weiter zu
den Mastställen wo die tragenden Sauen ihre Ferkel bekommen. Bevor die jungen Ferkel
ihre ersten Erkundungen machen erhalten sie stundenweise – je nach Jahreszeit –Auslauf.

Der nächste Gang ging zur Schlachterei, den wir alle mit gemischten Gefühlen
betrachteten. Aber es war ja jedem vorher bewusst dass wir uns hier nicht im Streichelzoo
sondern bei einem Landwirtschaftsbetrieb mit Nutztierhaltung befinden. Durchschnittlich
werden ca. 75 Schweine pro Woche geschlachtet und der Großteil landet in den Hofläden
oder zur Verköstigung im eigenem Restaurant. Das Restaurant, welches früher als Stall
gedient hatte, ist sehr beeindruckend. Weiträumig und mit viel Liebe zum Detail
eingerichtet. Eigenes Brot, Käse und Bier werden zusätzlich selber hergestellt. Der ein
oder andere hätte wahrscheinlich nichts gegen eine Bier Verköstigung gehabt. Stattdessen
wurde uns frisches Brot angeboten, welches jeder probieren durfte. Geschmacklich waren
wir uns alle einig, sehr sehr lecker! Das alles hat auch seinen Preis, wie ein Blick auf die
Tageskarte verriet. Der Schweinebraten mit Knödel wurde für 25,- Euro und der Eiskaffee
für 9,50 Euro angeboten.

Nach ca. 1,5 Stunden endete die Hoführung hier, wir bedankten uns alle mit Applaus für
das Engagement der sehr netten Dame. Wir beschlossen das Gelände noch auf eigene
Faust zur erkunden und spazierten anschließend zum Hühnerareal, wo uns das ein oder
andere Hermannsdorfer Landhuhn über den Weg lief. Nebenbei naschten wir noch an den
Brombeersträuchern.

Abschließend besuchten wir noch den Hofladen und begutachteten
die Vielfalt an Lebensmitteln die der Betrieb selber herstellte.
Im Cafe „Steinbergers Marktblick“ in Glonn endete unser heutiger Ausflug. Flammkuchen
und Eiskaffee wurden bestellt und wir fühlten uns alle sehr wohl in der Gruppe.
Wir können uns gegenseitig unterstützen und öffnen, keiner muss sich verstecken, das zu
wissen kann schon einiges einfacher machen……

VickiVonVicki

Erfahrungsbericht mit Antidepressiva von einem anonymen Teilnehmer

Der sinnlose Bürojob, das momentan überanstrengte Leben, die Ängste, wie und wo es mit mir weitergeht, alles sträubt sich innerlich dagegen, 1000 Fragen keine Antworten. 17 Monate ist es her, da wirkte, Escitalopram nach 5-jähriger Einnahme nicht mehr so wie es sollte oder besser gesagt wie man es gewohnt war.
 
Ich begab mich auf stationär auf eine psychosomatische Station in einer angesessenen Klinik, um einen Medikamentenwechsel vorzunehmen. Eine neue Odyssee nahm ihren Lauf, ahnungslose und teils unwissende Ärzte, die eher von mir beraten wurden anstatt ich von Ihnen, Pfleger, die keine Ahnung haben was ein Antidepressivum mit einem so anstellt im Körper. Therapien, die teils einen Stand der Steinzeit haben. Helfe dir selbst, sonst weiß es keiner.
 
Nach Absprache wurde das Escitalopram von 20 mg auf 0 mg in 2 Wochen abgesetzt und Milnacipran langsam eingeschlichen. Milnacipran, ein eher unbekanntes Medikament, was hauptsächlich in Österreich verschrieben wird aus der Reihe der SNRIs. Da ich, hypersensibles Angstwesen von Haus aus mit permanenter Unruhe getriggert bin, war ich von Anfang an skeptisch. Begründung ganz einfach, das Medikament zielt nicht nur auf Serotonin, sondern auch auf Noradrenalin (ein körpereigener Botenstoff, der als Stresshormon und Neurotransmitter wirkt). Perfekt, beim Einschleichen noch mehr Unruhe und Nervosität als sonst schon. Wieso, weshalb, warum ich trotzdem dem Rat des Arztes folgte, kann ich nur mit einem Aussetzer meines Geisteszustands begründen. 4 Wochen gingen ins Land und das komplette Paket der Nebenwirkungen (ziehen im Hoden, brennen beim Wasser lassen, permanente Unruhe) standen mir bei. Nach ca. 35 Tagen machte ich einen Cut, ich verspürte nicht ansatzweise einen Erfolg. Die wöchentlichen Visitengespräche wurden also wieder spannend, was geben wir jetzt?
 
 
 
Venlafaxin (SNRI), ja ne is klar, hatte vor 10 Jahren nicht funktioniert, aber das sollte man nochmal ausprobieren. Oder was meinen Sie Herr XXXX?
Haben Sie einen Tipp für mich? Wohlgemerkt ein kompetenter und lebenslustiger Klinikarzt der Neurologie. Ich sah ihn des Öfteren an und dachte mir ich sitze auf dem falschen Stuhl. Nur am Rande, hatte es die Station in 6 Wochen nicht hinbekommen meine Krankenakte aus der zum Klinikum angehörigen Institutsambulanz, Luftlinie 200 m, einzusehen. Bürokratie oder ich nannte es komplettes Versagen ein in sich nicht homogen Klinikums. Alles aus den letzten 16 Jahren, sämtliche Medikationen, alle Therapiegespräche, ja mein halbes Leben stand in dieser Akte. Aber zu meinem Pech war meine dortige Ärztin im Krankenstand und Urlaubsmodus. Herausgabe der Akte nur mit Einstimmung und Genehmigung des „Generals“ des Klinikums. Nochmal zur Verinnerlichung, „200 m Luftlinie“. Milnacipran wurde auch dann in einem ambitionierten Start – Ziel Zeitfenster von 7 Tagen abgesetzt. Venlafaxin wurde eingeschlichen, mein ZNS (zentrales Nervensystem) dankte es mir prompt. Die Fußball WM zog ins Land und so langsam wurde mir bewusst hier kann es länger dauern. Die begleitenden Therapien, die zu 80 % aus Sportangeboten bestanden, machte ich mehr unterbewusst als bewusst mit. Zusätzlich stellten sich bei mir Knieprobleme ein, das die ganze Sache nicht leichter machte.
Achtsamkeit wird als neuer Therapie Hype großgeschrieben. Mag ja sein, dass diese Art von Therapieansatz eine Wirkung erzielen kann, nützt, aber nur bedingt, wenn man sich in einem ZNS befindet, das einen permanent signalisiert du bist hier nicht richtig.
 
Meine persönliche Recherche ergab Baclofen (Arzneistoff aus der Gruppe der Muskelrelaxation). Ein Off Label (die Verordnung eines Arzneimittels außerhalb des durch die Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs) Medikament für Menschen mit Alkohol Problemen und Spastiken, was gezielt im ZNS wirkt und nebenbei eine erstaunliche Wirkung gegen aller Art von Ängsten hat. Aber halt „Off Label“ und kein zugelassenes Psychopharmaka. Ohne ärztliches Rezept keine Chance. Aber ich hatte einen Tipp, den ich in der nächsten Visite vortrug. Das wird bei Spastiken eingesetzt, aber hat hier keine Verwendung, so der Oberarzt kurz und knapp. Stattdessen sollte ich doch gegen die ständige Unruhe „zusätzlich“ Seroquel ausprobieren. Standard Medikament für 90 % der Patienten auf dem Klinik Gelände. Verkauft sich also hervorragend. Nächster Tag, nächstes Glück, 25 mg die Einstiegsdosis für Seroquel sollten es sein. Das machte mich auf Anhieb stumpf und dumpf und verschärfte nur die dunklen Stellen in einigen Gehirnregionen. Wie schaffen es Menschen mit 300 mg gerade auszugehen und klar zu denken, dachte ich mir. Dann doch lieben Achtsamkeit und Ergometer. Das Thema Seroquel war für mich vom Tisch. Die Fußball WM zog aus dem Land und Venlafaxin war natürlich nicht der erhoffte Durchbruch. Mit einer Dosis von125mg wurde ich nach ca. 9 Wochen entlassen. Mir ging es schlecht, besser gesagt ich wusste nicht, inwieweit ich überhaupt draußen lebensfähig bin. Die Oberärztin sah mich beim Entlassungsgespräch an und meinte ernsthaft mir ginge es doch gut und das Venlafaxin liegt innerhalb des Spiegels. Machen Sie das beste draus und gehen Sie am Montag wieder arbeiten. Paradoxe Situation, die mir jeglichen Verstand raubte und mich mundtot machte. Meine Gefühlswelt war auf dem Kopf gestellt. Erstmal sacken lassen und raus hier.
 
Ich ging natürlich nicht arbeiten, wie auch. Ein paar Tage später durfte ich wieder zu meiner „Lebensbegleiterin“ und Ärztin in der Institutsambulanz. Warum ich den kein Lyrica (Pregabalin, ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antikonvulsiva) auf der Station bekommen hätte, fragte sich mich als Erstes. Das vertrug ich ja vor 10 Jahren schon so gut. Lyrica wird als sogenannter „Mood Stabalizer“ für Angst Patienten verschrieben. Keine Ahnung, antwortete ich. Lyrica kann ein Abhängigkeitspotenzial entwickeln, so die Standard Antwort auf der Station. Quatsch, sagte meine Ärztin, wissenschaftlich noch gar nicht erwiesen. Alles filmreif, was sich hier abspielt, mit dem Stoff könnte ich an die Medien herantreten und was Großes in Gang bringen. Dass Milnacipran und Venlafaxin bei mir nicht wirken, hätte sie sich gleich gedacht. Ja was nun, 9 Wochen stationärer Aufenthalt für die Katz? Ich sollte es doch nochmal mit Escitalopram versuchen. Wo ist das „Versteckte Kamera“ Team, mir wurde glasklar bewusst „bleibe dir treu“ und nicht den Ärzten. Aber wie mache ich weiter? Sich ganz aufgeben, zu kapitulieren, um einen kompletten Neuanfang im Leben zu starten oder aber mich der weiteren Medikamenten Odyssee hingeben, um in dieser krankhaften Gesellschaft zu funktionieren.
Baclofen ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber auch meine Ärztin spielte da nicht mit. Das kann sie ihrem Oberarzt gegenüber nicht verantworten und außerdem habe ich kein Alkoholproblem. Tja, leider dachte ich. Nach kurzer Recherche und aus purer Verzweiflung bestellte ich das Baclofen im „World Wide Web“. Ich entschied mich für den chemischen Weg, um die Maschinerie am Laufen zu halten. Der weitere Plan sah vor Venlafaxin auszuschleichen und Escitalopram mal wieder einzuschleichen bei gleichzeitiger Gabe von Lyrica.
 
Mittlerweile kam der Herbst mit all seinen schönen Facetten und der Oktober stand vor der Tür. Die nächsten Monate schritten voran, ich ging fleißig in die Arbeit und ertrug gnädig die Symptomatik des Ein- und Ausschleichens. Meine Ärztin braucht einen langen Atem mit einem Patienten dessen einziges „funktionierendes“ Medikament aus der Gruppe der SSRI/SNRI in den letzten 15 Jahren nochmal neu aufgerollt wird. Der letzte Versuch mit Escitalopram um die Botenstoffe neu zu sortieren. Was ich und mein Körper wirklich wollten interessierte keinen außer mich selber. Meine Ärztin brauchte Abstand von mir um sich neu zu sortieren, sie war quasi mit ihrem Latein am Ende. Für die vollständige Kapitulation war und bin ich momentan noch nicht bereit. Ich suchte mir Rat im Internet, bei einem Psychopharmaka Spezialisten, der wie sich beim Gespräch herausstellte auch nur „Standard“ Format hatte.
 
Venlafaxin auszuschleichen kann sehr anstrengend und kräftezehrend sein, kann aber muss nicht. Wir Menschen sind so verschieden, dass es dafür ein eigenes Wikipedia braucht. Ich bin in 10 Wochen von 125 mg auf 0 mg und glaubt man gewissen Internet Foren, war das noch viel zu kurz. In Begleitung von ständiger Grippe ähnlichen Symptomen und sogenannten „Brain Zaps“ (Stromstöße) im Kopf schreit der Körper und die Seele „Hurra“. Täglich 8 Stunden Bildschirmarbeit im Büro tun ihr Übriges. Und warum sollte eigentlich
jetzt Escitalopram Wunder erwartend wieder wirken? Diese Frage konnte mir meine Ärztin auf wiederholter Nachfrage medizinisch nicht beantworten. Probieren Sie es einfach aus. Mittlerweile war ich wieder bei 10 mg Escitalopram angelangt. Energie und kraftlos fühlte sich mein Körper an, eine Leere, die in Verbundenheit mit einem außer der Spur laufenden ZNS nur Müdigkeit hervorrief. Es gibt Momente, da möchte ich nur für 1 Jahr in einem Sarg liegen und schlafen. Aufwachen mit einem Reset im Kopf und frischer Energie.
 
Baclofen hatte ich mittlerweile im Schrank stehen. Der Mut fehlt mir es, ohne medizinischen Beistand auszuprobieren. Hab ja auch keine Spastiken und kein Alkohol Problem. Trotzdem bringt es mich zum ersten male in meinem Leben in eine medikamentöse Zwickmühle. Was kann ich schon verlieren, nachdem ich ein bekanntes Baclofen Forum im Internet nach allen Berichten, Nebenwirkungen usw. durchforstet hatte und mir dessen bewusst war das eine kleine Dosis keine schwerwiegenden Auswirkungen hätte. Mal davon abgesehen ist die Liste der Nebenwirkungen vom Baclofen sehr sehr überschaubar, im Vergleich zu einem Antidepressivum ein Witz.
 
Das erneute Einschleichen von Escitalopram hätte ich mir sparen können, keine oder besser gesagt die erwünschte Wirkung trat nicht ein. So saßen meine Ärztin und ich eines Abends für 2 Stunden gegenüber und schoben uns die gedanklichen Fragezeichen gegenseitig zu. Wir gingen die gesamte Palette der Psychopharmaka durch und letztendlich sollte ich „nochmal“ Citalopram ausprobieren, schlug vor ca. 8 Jahren gut an, stand aber später die Nesselsucht (in den Händen und am Dekolleté), die sich im Laufe des Einschleichens entwickelte, im Weg. Der Körper vergisst nicht. Wir schlichen ganz langsam ein, erst ein paar Wochen 2,5 mg, dann ein paar Wochen 5 mg usw.. Bis 10 mg war alles in Ordnung. Somit stand dem nichts im Wege mit der Dosierung höher zu gehen. Die 15 mg wurden erreicht und erste Hautirritationen und Juckreiz stellten sich ein. Die Alarmglocken läuteten und die Stimmung ging in den Keller. Meine Ärztin pochte weiter auf Aufdosierung auf 20 mg, da dies die therapeutische Dosierung sei. Gut, dachte ich dann nichts wie rein ins Unverderben. Die Nesselsucht artigen Symptome am Dekolleté und an einigen Stellen in den Händen kamen, sahen und siegten. Nach einer Woche auf einer Dosierung von 20 mg Citalopram hatte ich dein dumpf drückendes Gefühl auf der Brust und den Bronchien. Nach Absprache mit meiner Ärztin machten wir einen sofortigen Cut, um nicht als Notfall Asthmatiker in einer Klinik zu landen.
Ok, da habe ich ja Erfahrung drin und bin schließlich „Ausschleich“ Experte.
6 Wochen wollte ich mir geben von 20 mg auf 0 mg. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die Ängste stiegen in jeder Pore meines ZNS von Tag zu Tag an. Die Palette der sogenannten „Stimmungsaufheller“ aus der Gruppe der SSRIs und SNRIs waren zu 90 % abgefertigt. Die Wochen des Absetzens verstrichen, 2 fieberhafte Infektionen während der Absetzphase taten ihr Übriges. Anfang Juli 2019 war ich auf 0 mg Citalopram. Die üblichen Absetzerscheinungen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, Aggressivität und Brain Zaps stellten sich ungefähr nach einer Woche des Absetzens ein. In der Regel sagt man, 4–8 Wochen kann die Symptomatik schon mal dauern. Darauf zu hoffen, dass es hierzu eine Aussage oder Informationen vonseiten der Ärzte gibt, kann man getrost vergessen. Beste Informationsquelle zum Absetzen von Antidepressiva gibt es im Internet unter adfd.org.
 
Meine Ärztin nahm Rücksprache mit Ihrem Oberarzt um die Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Ich verteufel meine Ärztin nicht, sie hat mich nie zu irgendwas gezwungen und ist stets bemüht eine Lösung zu finden, wenn auch nur eine medizinische. Sie ist geduldig mit einem schwierigen Patienten, der selber nicht weiß was er „wirklich“ will. Für die nicht medizinische Lösung gibt es vielfältige Möglichkeiten, konventionelle wie auch unkonventionelle. Mein persönlicher Schlüssel liegt hier in der Traumatherapie die hauptsächlich den Körper und das ZNS mit einbindet.
 
Der Anruf meiner Ärztin ließ nicht lange auf sich warten. Tianeptin, ein sehr unbekanntes trizyklisches Antidepressivum, wenig Nebenwirkungen und ein paradoxes Wirkprinzip als alle anderen auf dem Markt gängigen ADs.
Es ist nämlich ein Serotonin Wiederaufnahme Verstärker. Ich wollte mich vorab nicht informieren und ganz unbedacht an das Medikament herantreten. Einziger Nachteil, die Einnahme findet morgens, mittags und abends statt, jeweils 12,5 mg. Rezept war da, die Vorfreude groß und die Apotheke wurde beauftragt.
 
Zwischendurch erhielt ich eine positive Nachricht eines anderen Klinikums welches mir den Starttermin für meine „deep rTms“ Behandlung gab. Die Anmeldung war dort vor ca. 3,5 Monaten. Deep rtms wird bezeichnet als transkranielle Magnetstimulation. Es ist eine nicht invasive Technologie bei der mithilfe starker Magnetfelder Bereiche des Gehirns stimuliert worden. Ausführliche Berichte dazu gibt es Internet. Die Methode wird auch hauptsächlich für Menschen mit schweren Depressionen angewendet, die nicht auf Antidepressiva ansprechen oder sie nicht vertragen.
 
Da ein noch unbekannter Hautausschlag mit tellerartig großen Flächen meine Haut besiedelte, musste ich das Tianeptin nach nur 2 Tagen Einnahme schlagartig wieder absetzen. Ich begab mich in eine Münchner Hautklinik, da dies komplett Neuland für mich war. Nach ausführlichen Tests (Blut, Stuhl, Entzündungsparameter und Gewebeprobe), die allesamt zum guten ausfielen, herrschte mal wieder Unstimmigkeit und Ratlosigkeit in den Augen der Damen und Herren in Weiß. Dass nach 17 Monaten Medikamentenodyssee der Körper irgendwann sagt „STOP“ war mir so klar wie das Amen in der Kirche. Und was gibts als „Lekkerli“ obendrauf? Na klar, Cortison Infusionen, das Allheilmittel, der Heilsbringer in der global medizinischen Branche. Gut, machen wir das auch noch mit, man will ja nicht noch mehr rote Flecken bekommen. Entlassung nach ca. 1 Woche, sie brauchen Geduld, die Flecken brauchen ein paar Wochen bis sie wieder weggehen. Die Diagnose lautete EEM sprich „Erythema multiforme“. Ich werde mich die nächsten 3 Wochen auf meine rtms Behandlung konzentrieren und lass die Flecken einfach Flecken sein.
 
Ein ausführlicher Erfahrungs- Bericht über die „deep rtms“ Behandlung wird folgen.
 
– Autor wünscht sich anonym zu bleiben –
 
Andrea MartinaVonAndrea Martina

Jubiläumsausflug zum Einjährigen Bestehen von ‚Aktiv für die Psyche‘

Mitte April 2018 haben wir das erste Mal ein Treffen unserer Selbsthilfegruppe (SHG) ‚Aktiv für die Psyche‘ in Markt Schwaben veranstaltet. Wir Gruppengründer waren damals recht nervös, aber es hat gut geklappt vor einem großen Publikum. Seither hat sich viel getan; es gibt mittlerweile einen festen ‚Gruppen-Kern‘, im Zuge der Gruppeninventur haben sich die Aufgaben neu verteilt und wir haben uns selbst eine klarere Gruppenstruktur mit zum Beispiel Kommunikationsregeln gegeben.

All diese Dinge sind aus meiner Sicht – als treibende Kraft der Gruppe – sehr gute Gründe, das Einjährige Bestehen unserer SHG zu feiern. Also haben wir uns am Osterwochenende mit 2 Autos aufgemacht zum Wildpark nach Oberreith hinter Gars am Inn. Wir haben uns angeregt unterhalten, die Tiere angeschaut, ein paar sind auf den Aufsichtsturm hoch und eine Rast haben wir schließlich vor der Kletteranlage im Wald eingelegt.

Eindrücklich war dann auch der Besuch eines Bienen-Hauses, mir haben die gewaltigen Findlinge (große Steine) aus dem Inntal imponiert und besonders ansprechend fanden die meisten von uns die Wollschweine. Anders als beispielsweise die Wildschweine in Poing wirkte deren Familiengefüge recht harmonisch und die Tiere fühlten sich in ihrem Familienverbund sichtlich sau-wohl 😉

Am Nachmittag haben wir dann die Flugschau im Wildpark Oberreith angeschaut; ein besonderes Erlebnis! Der Falkner erzählte von seinem Alltag mit den Raubvögeln und dass es unbedingt notwendig ist, dass jedes Tier eine Handaufzucht ist, um irgendeine Chance zu haben, dass sich der Vogel an Menschen gewöhnt. Uhu, Geier & Co. sind nur knapp über unseren Köpfen geflogen und zuletzt hat sich ein fränkischer Milan bei seinem ersten oder zweiten Freiflug längere Zeit geweigert, zurück zu seiner ‚Vogel-Frau‘ zu fliegen und sich stattdessen einfach auf dem Reh-Gehege niedergelassen bzw. immer wieder seine Segelrunden gedreht.

Wir haben im Anschluss noch die Ponys und Alpakas gestreichelt und gefüttert. Bevor wir den Park endgültig verlassen haben, ging es noch 5min auf die Kinder-Wildpark-Eisenbahn und wir sind noch einmal mit Lok-Antrieb und einer anderen Perspektive ein Stück des Parks abgetuckert. Für mich ein rundum gelungener Ausflug zum 1. Geburtstag von ‚Aktiv für die Psyche‘!

PS: Wer Fische mal gründeln sehen will, kann das derzeit auch in Oberreith..

adminVonadmin

Gruppeninventur beim Selbsthilfezentrum München

Unser Gruppe nahm das Angebot, über das Selbsthilfezentrum (SHZ) München eine Gruppeninventur durchzuführen, gerne wahr. Am Samstag trafen wir uns und fuhren gemeinsam in die Stadt zum SHZ.

Die geplanten 4 Stunden sollten den Organisatoren und Gruppenmitgliedern die Möglichkeit geben, den Ablauf und die Gestaltung der 14-tägigen Treffen von ‚Aktiv für die Psyche‘ mit Hilfe eines Supervisors zu reflektieren. Das bestehende Konzept sollte überdacht werden und neue Anregungen eingebracht (werden).

Im ersten Schritt forderte uns der Supervisor – Herr Eisenstecken – auf, Vorschläge zu machen, was wir denn an diesem Tag diskutieren wollen. Es kamen einige Themen zusammen und in einem zweiten Schritt durfte jeder drei Punkte bei den Themen setzen, die er oder sie am wichtigsten fand. Die Themen mit den meisten Punkten wurden zunächst besprochen. Nach und nach fiel auf, dass ein Teil der Themen Verbindungen zu anderen hatte.

Mit der Unterstützung von Herrn Eisenstecken konnten wir auch bei schwierigen Themen und auseinandergehenden Meinungen, eine konstruktive Lösung im Team entwickeln. Für uns und Herrn Eisenstecken eine positive Entwicklung! Der Supervisor moderierte das Geschehen sehr gut, ging auf unsere Anliegen ein und regte die Gruppe immer wieder dazu an, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Zum Thema Kommunikation ist uns von Herrn Eisenstecken folgendes in Erinnerung geblieben: Kommunikation findet immer statt, auch wenn diese nicht verbal erfolgt. Jeder Mensch nimmt Gesten seiner Mitmenschen anders wahr und interpretiert die Situation individuell, wobei es verschiedene Sichtweisen auf scheinbar ein- und dieselbe Sache geben kann. Dadurch entstehen Verständnisprobleme, die zu Unruhe unter den Beteiligten führen können. Daher ist es wichtig, wenn auch nicht immer sofort möglich, die Wahrnehmung gegenüber dem anderen zu erklären und Fragen im Detail zu besprechen.

Für unsere zukünftigen Gruppenstunden nehmen wir mit, dass wir miteinander Kommunikationsregeln formulieren wollen und uns mit der Frage der Gruppenleitung beschäftigen wollen: Hat diese jemand oder haben diese mehrere Personen inne und inwiefern übernimmt wer welche Verantwortung? Herr Eisenstecken hat uns empfohlen, dass eine Beschäftigung mit diesen Fragen Konflikte, die häufig in Selbsthilfegruppen auftreten, entschärfen können. Und unterschiedliche Meinungen sind noch keine Konflikte! Der bewusste und respektvolle Umgang mit den unterschiedlichen Meinungen ist das, wofür ich mir Raum in unserer Selbsthilfegruppe wünsche.

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Gefühlsleben @work – Gedanken zum Buch von Vivian Dittmar

Haben Gefühle Platz im Arbeitsleben? Darf ich meinen Gefühlen offen und ehrlich Ausdruck verleihen? Warum ist das in der Vergangenheit auch mal so richtig schief gegangen?

Diese und ähnliche Fragen schwirren mir seit ein paar Monaten im Kopf herum. Angefangen hat es mit einer neuen Arbeitsstelle, bei der ich zu Beginn gefühlt 😉 von negativen Gefühlen überflutet wurde und nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Mittlerweile habe ich mich ein bisschen ge-settled und fühle mich langsam sicherer im Job. Geholfen haben mir dabei berufliches Coaching und ein Buch, das ich mir von einer Kollegin ausgeliehen habe: Gefühle @work ~ Wie emotionale Kompetenz Unternehmen transformieren kann.

Die Autorin Vivian Dittmar gibt in diesem Büchlein einen Überblick über ihre grundlegenden Erkenntnisse des oft schwammigen Gefühl-Begriffs. Eine erste wichtige Unterscheidung, die sie trifft und deren Verständnis mir weiter geholfen hat, ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Unter Gefühlen versteht sie notwendige soziale Kräfte, während Emotion bei ihr „Gefühle aus der Vergangenheit [bezeichnet], die damals überwältigend waren und deshalb nicht gefühlt wurden“ (S. 37). In diesem Zusammenhang spricht sie auch von emotionalen Altlasten. Für mich persönlich schließe ich daraus Folgendes: Wenn ich im zwischenmenschlichen Miteinander von einer Sache so ge-triggered werde, dass sich meine Gedankenwelt fast nur noch darum dreht, ist wahrscheinlich eine emotionale Altlast im Spiel und ich hüte mich besser davor, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Gleichzeitig ist jedoch nicht zu vergessen, dass Gefühle eine soziale Funktion haben. Auch wenn ich weiß, dass ich schnell ge-triggered werden kann, ist es wichtig, Gefühle zu erkennen und erst einmal für mich auch anzunehmen. Egal ob mit einer emotionalen Altlast oder einem Gefühl als soziale Kraft; irgendwie muss ich mich damit auseinandersetzen, sonst geht der Schuss nach hinten los.

Die vielleicht nett gemeinten Ratschläge in Bezug auf mein reges Gefühlsleben wie ‚Mach dir nicht so viele Gedanken‘ oder auch ‚Leg dir mal eine dickere Haut zu‘, haben bei mir noch nie zu viel geführt, außer dass ich mich unverstanden fühle und vielleicht selbst noch mehr verurteile.

Zurück zu Vivian Dittmar und den Gefühlen @work: Sie hat einen Gefühlskompass entwickelt, bei dem sie 5 Grundgefühle unterscheidet; das sind Angst, Freude, Scham, Trauer und Wut. Da kommt bei mir gleich das Bild aus dem Pixar-Film „Alles steht Kopf“ hoch, der das Zusammenspiel dieser Gefühle anschaulich darstellt (mit Ausnahme von Scham; stattdessen ist in dem Animationsfilm Ekel das fünfte Grundgefühl). Im Buch beschreibt die Autorin, welche Kraft in jedem der 5 Grundgefühle steckt, wobei ihr sehr wichtig ist, dass sich jedes Gefühl positiv und negativ äußern kann. Gehen wir sie der Reihe nach durch:

  • Angst kann in der positiven Ausprägung zu Innovation führen, weil ich mich überwinden muss. Die Schattenseite von Angst ist Lähmung, wenn ich mich einfach nicht überwinden kann.
  • Freude drückt sich positiv über Wertschätzung aus und zwar darüber, dass etwas, das erwartet wurde, tatsächlich eingetroffen ist. Wenn ich mir allerdings einen Fehlschlag nicht eingestehen kann und stattdessen alles ’schön rede‘, zeigt sich der Schatten der Freude als Illusion.
  • Scham als soziale Kraft ist dann hilfreich, wenn ich mich selbst reflektiere und meinen Umgang mit meinen Mitmenschen überdenke bzw. einen anderen damit finde. In der negativen Ausprägung führt Scham dazu, dass ich mich ständig in Frage stelle – Vivian Dittmar spricht hier von Selbstzerfleischung.
  • Trauer führt im positiven Sinne dazu, dass ich Situationen annehmen kann, die unabänderlich sind. Die Schattenseite von Trauer ist die Resignation; wenn ich zu schnell aufgebe, weil ich denke, ich kann eh nichts verändern.
  • Zu guter Letzt noch Wut (- die ich im oben genannten Pixar-Film so toll dargestellt finde mit dem  brennenden Kopf): Durch Wut wird Energie frei und ich kann in Aktion treten; also zwischenmenschlich so agieren, dass die Situation, über die ich mich ärgere, sich verändert. In der negativen Ausprägung führt Wut zu Zerstörung, wenn ich ohne Rücksicht auf Verluste quasi alles kurz und klein schlage.

Zu Beginn des Blog-Beitrags habe ich drei Fragen gestellt, die ich nun nach der Lektüre von Gefühle @work versuchen möchte zu beantworten plus der Zusatzfrage der Auflösung des Ganzen.

  1. Haben Gefühle Platz im Arbeitsleben? Ja, das haben und müssen sie – in der Arbeit und im Leben allgemein. Dazu fällt mir das Lied ‚Ich bin doch keine Maschine‘ von Tim Bendzko ein und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man krank wird, wenn man seine Gefühle unterdrückt oder ihnen nicht genug Raum in seinem Leben geben kann.

  2. Darf ich meinen Gefühlen offen und ehrlich Ausdruck im Arbeitsleben verleihen? Wie oben beschrieben ist hier die Unterscheidung zwischen emotionaler Altlast und einem Gefühl als sozialer Kraft wichtig. Im Hinterkopf versuche ich zu behalten, dass ich nicht sofort reagiere und auch nicht total eintauche in mein Gefühlsleben, wenn es mich gerade ‚über-mannt‘. Vivian Dittmar spricht von Gefühlen parken, wenn sie einen in einer Situation gerade überfordern. Das heißt, ich lasse das Gefühl zu – unterdrücke es also nicht, aber versuche es dann irgendwie zur Seite zu schieben und mich später damit zu beschäftigen. Außerdem muss ich davon ausgehen, dass es für das zwischenmenschliche Miteinander ganz wichtig ist, dass ich (und mein Gegenüber) meine (bwz. wir unsere) Gefühle ausdrücken. Ich möchte lernen, meine Gefühle angemessen auszudrücken.

  3. Warum ist das in der Vergangenheit auch mal schief gegangen? Weil ich mich von einer emotionalen Altlast dazu habe hinreißen lassen, meine Gefühle unangemessen auszudrücken – eigentlich lief das fast automatisch ab. Wenn ich genau hinschaue, habe ich in der ein oder anderen Situation aus heutiger Sicht wohl überreagiert, wusste es damals aber nicht besser, weil ich unbewusst an Situationen aus meiner Kindheit/Jugend erinnert wurde, die ich damals nicht verändern konnte. Damals war ich diesen Gefühlen ausgeliefert und so wurden sie zu emotionalen Altlasten. Heute aber bin ich erwachsen und kann und möchte mit gewissen Situationen anders umgehen: Ich möchte meine Gefühle besser im Griff haben.

  4. Und wie kann ich das jetzt tun? Erst einmal finde ich es wichtig, dass ich mir diese ganzen Zusammenhänge bewusst gemacht habe. Was ich diese Woche im Arbeitsalltag festgestellt habe, ist, dass mir Anteilnahme an meiner Situation von Kollegen oder auch im privaten Bereich hilft. Vivian Dittmar empfiehlt in ihrem Buch außerdem eine Methode, die ich (noch) nicht ausprobiert habe: das bewusste Entladen. Dabei ‚kotzt‘ man sich sozusagen 5-10 Minuten bei einer Person seines Vertrauens über eine belastende Situation aus, ohne dass man irgendwas zurückhält. Das Gesagte wird dabei absolut vertraulich behandelt; also wenn ich das richtig verstehe, reagiert das Gegenüber weder bei noch nach der bewussten Entladung auf das Gesagte. Laut der Autorin ist der erstaunliche Effekt dieser Praxis, „dass Menschen sich in diesem Rahmen innerhalb kürzester Zeit selbst sortieren können. Sie werden sozusagen ihr eigener Coach, einfach dadurch, dass ihnen aufmerksam und wertungsfrei zugehört wird“ (S. 144). So ganz kann ich mir das Ganze noch nicht vorstellen, aber ich finde es einen spannenden Ansatz und wer weiß, vielleicht kann ich ja demnächst bei jemandem bewusst entladen? Mein eigener Coach in Sachen Gefühle @work werden zu können, hört sich auf jeden Fall sehr verlockend an!

 

VickiVonVicki

„Aktiv für die Psyche“ am 31.01.2019

Wenn du die Möglichkeit hättest eine Information über deine psychische Erkrankung vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen, welche wäre es?“

Und welche sollte die ganze Welt wissen?“

Bin ich schuldig an meiner Erkrankung?“             „Ist überhaupt jemand schuldig, dass ich mich so fühle?“Muss ich für, bzw. gegen etwas kämpfen?“

         Diese und viele andere Fragen beschäftigten unsere Gruppe in der ersten Hälfte bei dem letzten Treffen am 31.01.2019. Unsere recht interessante Diskussion mit einem philosophischen Tiefsinn hat uns wieder bewiesen, wie unterschiedlich unsere Erfahrungen und damit verbundene Meinung sein kann. Es ist eine Bereicherung diese auszutauschen und so einen neuen Blick auf die gestellten Fragen zu bekommen.

Mich persönlich hat eine Aussage sehr zum Nachdenken gebracht: „Ich habe zwei Wörter aus meinem Wörterbuch gestrichen, und zwar Schuld und Kampf. Es ist klar, wenn man gegen etwas kämpft, dann erzielt man nur Gegenkampf. Druck gegen Druck. Es ist und war immer das schlimmste was Menschen machen könnten.“ Gegen was/wem kämpfe ich selbst? Ganz automatisch antworte ich auf die Frage, wie es mir geht mit: „Jaaa, ich kämpfe weiter“. Ich will aber nicht mit mir selbst kämpfen, ich wünsche mir, alles, was in mir passiert, besser zu verstehen und die Vergangenheit langsam zu verarbeiten und akzeptieren. Und natürlich will ich auch nicht mit meiner Umgebung kämpfen! Mein Wunsch, und der von jedem Betroffenen, ist mehr Geduld, Offenheit, Akzeptanz und Freundschaft..

        In der zweiten Hälfte haben wir uns über verschiedene Entspannungsmethoden ausgetauscht und festgestellt, dass jeder den Weg zum Entspannen selber finden muss. Manche von uns tendieren zu ruhigeren, sanften bzw. mentalen Methoden, wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Yoga, Fantasiereise, Meditation, Qi Gong, Feldenkreis oder Tai-Chi. Andere können sich gut beim Ausdauertraining entspannen. Diese zählt ja zu den sportwissenschaftlich anerkanntesten Stressbewältigungsmethoden! Wichtig ist es, offen fürs Neue zu sein und es auszuprobieren. Und so wie wir uns in dem Lauf der Zeit ändern, ändert sich auch unser „Entspannungsgeschmack“. Deswegen: auch wenn wir das Gefühl haben, dass die ausgesuchte Entspannungsmethode gar nicht zu uns passt, schließen wir nie die Tür hinter ihr!

Zum Schluss haben wir eine Imaginationsreise mit dieser schönen Übung gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=UEKUB7HSPTE

Ich freue mich auf unser nächstes Treffen!

Und bis dahin nicht vergessen:  RELAX    🙂

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Rückblick auf Selbsthilfe-Infoabend beim SpDi Erding

Vergangenen Donnerstag, am 31.1.19, fand beim Sozialpsychiatrischen Dienst kurz SPDI in Erding ein Informationsabend zum Thema Selbsthilfe mit meiner Mitwirkung statt. Schon seit einiger Zeit ist uns Selbsthilfe-Aktiven aufgefallen, dass wir immer mal wieder Anfragen für unsere Selbsthilfegruppe aus dem Erdinger Raum bekommen. Dann hat der Leiter des SpDis in Erding angefragt, ob ich als Referentin für einen Workshop zur Verfügung stehen würde. Gesagt, gemacht – und so stellte ich letzten Donnerstagabend in einem Impulsreferat meinen Weg in die Selbsthilfe vor, während Viki in Markt Schwaben das reguläre Gruppentreffen von ‚Aktiv für die Psyche‘ gestaltet und abgehalten hat.

In Erding hatten sich elf Betroffene und Angehörige von psychischen Erkrankten eingefunden und mit dem schwarzen Hund als ice-breaker begann mein Vortrag. (Anmerkung: Winston Churchill bezeichnete seine Depression als schwarzen Hund und mir gefällt das Bild sehr gut, dass das Ziel ist, sich nicht mehr von seiner Depression ‚übermannen‘ zu lassen, sondern den schwarzen Hund ‚an die Leine zu nehmen‘.] Neben ein paar allgemeinen Infos zu psychischen Erkrankungen und meinen Hindernissen damit, beschrieb ich meinen Weg in die Selbsthilfe. Weiterhin ging es um den Aufbau und heutigen Stand unserer Gruppe sowie ein paar Rahmenbedingungen für Selbsthilfegruppen und meine Er-Kenntnisse zum Thema Selbsthilfe.

Meine Er-Kenntnisse möchte ich an dieser Stelle teilen:

  • Dadurch, dass ich in der Selbsthilfe aktiv geworden bin, erlebe ich mich als authentisch und effektiv; sprich: Ich kann etwas (mit-)bewegen und -gestalten ~ trotz oder gerade wegen psychischer Probleme.
  • Bei mir war langjährige Therapie notwendig, aber jetzt erlebe ich in der Gruppe viel Verständnis füreinander, was mich irgendwie auch (ohne Therapie) ein Stück weit trägt.
  • Auch als Gründungsmitglied [einer Selbsthilfegruppe] will ich mich ‚zumuten‘ können; seit unserer Gründung hatte ich auch eine depressive Phase, bin aber weiter zur Gruppe gegangen und habe versucht im Rahmen meiner Möglichkeiten mitzugestalten.

Die Selbsthilfe-Interessierten haben positiv auf meine Ausführungen reagiert. Wie die Gruppe in Markt Schwaben abläuft, sorgte für viel Interesse und nach und nach entspann sich ein Gespräch, welche Vorstellungen zum Thema Selbsthilfe am Tisch vertreten waren. Neben Betroffenen haben sich auch 2-3 Personen als Angehörige geäußert und vielleicht kann in Erding ja eine Gruppe für Angehörige und Betroffene entstehen.

Unter der Moderation des Leiters vom SpDi Erding einigten wir uns am Schluss auf drei weitere Folgetreffen am Do 28.2.19, 14.3.19 und 28.3.19 jeweils um 18.30 im SpDi Erding (Münchner Str. 44). Falls sich dort nun eine neue Selbsthilfegruppe bildet, hat sie zum einen meine Unterstützung (am 28. Februar und 28. März komme ich auch wieder dazu) sowie eine Anbindung an den Sozialpsychiatrischen Dienst Erding. Ich bin gespannt, welcher Personenkreis sich dort bei den nächsten Treffen einfindet und würde mich freuen, wenn unsere Selbsthilfe-Arbeit weitere Kreise zieht.

Rückblick auf Selbsthilfe-Infoabend beim SpDi Erding
VickiVonVicki

Umgang mit der eigenen psychischen Erkrankung in der Öffentlichkeit

Unsere Selbsthilfegruppe “Aktiv für die Psyche” hat sich nach langen vier Wochen am 17.01.2019 wieder getroffen. Das Thema unseres ersten Treffens war “Umgang mit der eigenen psychischen Erkrankung in der Öffentlichkeit“. Es war eine sehr interessante Gesprächsrunde mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen.

Es ist nie leicht über die eigene psychische Erkrankung in der Öffentlichkeit zu reden. Das Wichtigste am Anfang ist es sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe und Unterstützung braucht. Wie ein Teilnehmer sagte: “Ich darf das fühlen, was ich grade fühle! Es ist in Ordnung und ich muss mich dafür nicht schämen.“ ob Trauer, Wut, Angst, Unsicherheit … das alles ist erlaubt und hat seinen Grund!

Leider haben viele Betroffene in ihrer Umgebung schlechte Erfahrungen gemacht oder sind mit einem – durch Familie, Freunde oder Medien- verzerrten Bild über psychisch erkrankte Menschen aufgewachsen. Solche negativen Einflüsse erzeugten eine noch größere Belastung auf betroffene Menschen mit extremen Folgegefühlen, wie Angst, Scham, Misstrauen. Gedanken wie “was denken sie über mich?“, “Sie halten mich für verrückt oder sogar gefährlich!”, “alle denken, dass ich nicht arbeiten will!” und ähnliches werden ganz eins mit der Person. Die ersten Erfahrungen, die man macht, beeinflussen oft den zukünftigen Umgang mit der eigenen Erkrankung. So passiert es leider häufig, dass man nicht die Hilfe bekommt, die man braucht. Man versteckt sich, leidet alleine. Es kann leider letztendlich auch sehr traurige Konsequenzen nach sich ziehen … desto mehr freut man sich über positive Erlebnisse zu hören! Wenn man Verständnis von der Familie, Kollegen, Freunden bekommt und selbst erfährt, wie viele andere unter uns denselben schwierigen Weg gehen müssen, fühlt man sich nicht so alleine und kann besser und sicherer vor anderen mit seiner Krankheit umgehen.

Egal ob Familienmitglied, Freund, Kollege oder selbst Betroffener:

Geben wir uns in der Gesellschaft gegenseitig die Möglichkeit mehr zu verstehen und vertrauen.

 

AlexanderVonAlexander

Breakdown – Ein Kurzfilm über Depressionen

Ein wunderbarer Kurzfilm zu Depressionen von Freunde fürs Leben e.V. zu Depressionen.

Es ist nie zu spät sich Hilfe zu holen

 

 

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Kostenloses Comicbuch über Einfluss seelischer Erkrankungen in Familien

Die Wunschperle“ heißt das Comicbuch, das der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Kooperation mit der Barmer herausgebracht hat.

Mit liebevollen Zeichnungen wird die Geschichte einer Schildkrötenfamilie erzählt, deren jüngster Sohn Anton an einer Depression erkrankt.

Anhand Antons Verhalten  werden gleich zu Beginn in kindgerechter Sprache typische Symptome einer depressiven Phase erklärt: Die kleine Schildkröte will nicht mehr mit seinen Geschwistern und Freunden spielen; außerdem schmeckt ihm seine Leibspeise ‚Algenlasagne‘ kaum mehr. 

Weiter geht es in dem Comic mit einer Auseinandersetzung der Eltern, die sich schwer mit dem Eingeständnis tun, dass ihr Jüngster erkrankt ist. Aber auch die Schwierigkeiten, die die Geschwisterkinder bekommen, werden dargestellt.

Als Anton in die sog. Wellen-Klinik muss, haben die Schildkröteneltern nur noch wenig Zeit für ihre anderen beiden Kinder. Zudem werden die beiden Geschwister von Freunden ausgelacht und Antons Bruder bekommt Probleme beim Tauchball, weil es Gerüchte um Antons psychische Erkrankung gibt. 

Während der Rest der Familie weiterhin versucht den normalen Alltag zu bewältigen, wird Antons Klinikaufenthalt beschrieben. Da gibt es den Doktorfisch Dr. Gibraltar, der mit der kleinen Schildkröte therapeutische Gespräche führt. Außerdem geht Anton in die Kunst- und in die Sporttherapie; sehr wichtig ist für ihn auch der Kontakt mit anderen jungen Patienten. Neben Depressionen kommen so auch die Symptome weiterer Störungen zum Ausdruck: Ein kleiner Killerwal hat eine Angststörung und drei weitere Fische ADHS, eine Ess- und eine Sprachstörung.

Spannend wird die Geschichte, als sich Anton und seine neuen Freunde unerlaubt auf die Suche nach einer geheimen Wunschperle machen und dabei mit ihren Ängsten und Sorgen konfrontiert werden. Es geht natürlich alles gut aus, aber sehr schön wird beschrieben, wie die Familie zusammenhält und die Eltern sich Mühe geben, dass auch die Geschwisterkinder in dieser schwierigen Situation nicht zu kurz kommen.

Als selbst Betroffene und Angehörige habe ich dieses doch recht lange Comicbuch (über 100 Seiten!) ‚in einem Happs quasi verschlungen‘. Sowohl den Psychiatrieaufenthalt der kleinen Schildkröte wie auch den Umgang der Familie damit finde ich sehr schön nachgezeichnet und habe viele Situationen wiedergefunden, die ich selbst so ähnlich erlebt habe (oder gern hätte).

Am Ende der Geschichte kommen vier Seiten, auf denen der Doktorfisch grundlegende Begriffe wie Klinik, Therapie, Selbsthilfegruppe, Seele und die 5 im Buch thematisierten Störungsbilder kindgerecht erklärt (Depression, Angststörung, Essstörung, Sprachstörung, ADHS). 

Zusätzlich zu dem Comicbuch gibt es auch noch ein Begleitbuch für Erwachsene, das aus drei Teilen besteht. Der erste Teil geht speziell auf die Situation der Geschwisterkinder ein, zeigt mögliche Probleme (Mobbing, Kontaktabbrüche, Ängste, schlechte Schulleistungen) und erste Lösungswege hierfür auf. Im zweiten Informationsteil wird ausführlicher über die häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen informiert. Der abschließende Serviceteil verweist auf Stellen, wo man Hilfe finden kann.

Hier der Link, um Comic und Begleitbuch kostenlos zu bestellen: https://www.bapk.de/projekte/die-wunschperle-geschwisterbuch.html