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Gruppeninventur beim Selbsthilfezentrum München

Unser Gruppe nahm das Angebot, über das Selbsthilfezentrum (SHZ) München eine Gruppeninventur durchzuführen, gerne wahr. Am Samstag trafen wir uns und fuhren gemeinsam in die Stadt zum SHZ.

Die geplanten 4 Stunden sollten den Organisatoren und Gruppenmitgliedern die Möglichkeit geben, den Ablauf und die Gestaltung der 14-tägigen Treffen von ‚Aktiv für die Psyche‘ mit Hilfe eines Supervisors zu reflektieren. Das bestehende Konzept sollte überdacht werden und neue Anregungen eingebracht (werden).

Im ersten Schritt forderte uns der Supervisor – Herr Eisenstecken – auf, Vorschläge zu machen, was wir denn an diesem Tag diskutieren wollen. Es kamen einige Themen zusammen und in einem zweiten Schritt durfte jeder drei Punkte bei den Themen setzen, die er oder sie am wichtigsten fand. Die Themen mit den meisten Punkten wurden zunächst besprochen. Nach und nach fiel auf, dass ein Teil der Themen Verbindungen zu anderen hatte.

Mit der Unterstützung von Herrn Eisenstecken konnten wir auch bei schwierigen Themen und auseinandergehenden Meinungen, eine konstruktive Lösung im Team entwickeln. Für uns und Herrn Eisenstecken eine positive Entwicklung! Der Supervisor moderierte das Geschehen sehr gut, ging auf unsere Anliegen ein und regte die Gruppe immer wieder dazu an, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Zum Thema Kommunikation ist uns von Herrn Eisenstecken folgendes in Erinnerung geblieben: Kommunikation findet immer statt, auch wenn diese nicht verbal erfolgt. Jeder Mensch nimmt Gesten seiner Mitmenschen anders wahr und interpretiert die Situation individuell, wobei es verschiedene Sichtweisen auf scheinbar ein- und dieselbe Sache geben kann. Dadurch entstehen Verständnisprobleme, die zu Unruhe unter den Beteiligten führen können. Daher ist es wichtig, wenn auch nicht immer sofort möglich, die Wahrnehmung gegenüber dem anderen zu erklären und Fragen im Detail zu besprechen.

Für unsere zukünftigen Gruppenstunden nehmen wir mit, dass wir miteinander Kommunikationsregeln formulieren wollen und uns mit der Frage der Gruppenleitung beschäftigen wollen: Hat diese jemand oder haben diese mehrere Personen inne und inwiefern übernimmt wer welche Verantwortung? Herr Eisenstecken hat uns empfohlen, dass eine Beschäftigung mit diesen Fragen Konflikte, die häufig in Selbsthilfegruppen auftreten, entschärfen können. Und unterschiedliche Meinungen sind noch keine Konflikte! Der bewusste und respektvolle Umgang mit den unterschiedlichen Meinungen ist das, wofür ich mir Raum in unserer Selbsthilfegruppe wünsche.

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Gefühlsleben @work – Gedanken zum Buch von Vivian Dittmar

Haben Gefühle Platz im Arbeitsleben? Darf ich meinen Gefühlen offen und ehrlich Ausdruck verleihen? Warum ist das in der Vergangenheit auch mal so richtig schief gegangen?

Diese und ähnliche Fragen schwirren mir seit ein paar Monaten im Kopf herum. Angefangen hat es mit einer neuen Arbeitsstelle, bei der ich zu Beginn gefühlt 😉 von negativen Gefühlen überflutet wurde und nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Mittlerweile habe ich mich ein bisschen ge-settled und fühle mich langsam sicherer im Job. Geholfen haben mir dabei berufliches Coaching und ein Buch, das ich mir von einer Kollegin ausgeliehen habe: Gefühle @work ~ Wie emotionale Kompetenz Unternehmen transformieren kann.

Die Autorin Vivian Dittmar gibt in diesem Büchlein einen Überblick über ihre grundlegenden Erkenntnisse des oft schwammigen Gefühl-Begriffs. Eine erste wichtige Unterscheidung, die sie trifft und deren Verständnis mir weiter geholfen hat, ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Unter Gefühlen versteht sie notwendige soziale Kräfte, während Emotion bei ihr „Gefühle aus der Vergangenheit [bezeichnet], die damals überwältigend waren und deshalb nicht gefühlt wurden“ (S. 37). In diesem Zusammenhang spricht sie auch von emotionalen Altlasten. Für mich persönlich schließe ich daraus Folgendes: Wenn ich im zwischenmenschlichen Miteinander von einer Sache so ge-triggered werde, dass sich meine Gedankenwelt fast nur noch darum dreht, ist wahrscheinlich eine emotionale Altlast im Spiel und ich hüte mich besser davor, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Gleichzeitig ist jedoch nicht zu vergessen, dass Gefühle eine soziale Funktion haben. Auch wenn ich weiß, dass ich schnell ge-triggered werden kann, ist es wichtig, Gefühle zu erkennen und erst einmal für mich auch anzunehmen. Egal ob mit einer emotionalen Altlast oder einem Gefühl als soziale Kraft; irgendwie muss ich mich damit auseinandersetzen, sonst geht der Schuss nach hinten los.

Die vielleicht nett gemeinten Ratschläge in Bezug auf mein reges Gefühlsleben wie ‚Mach dir nicht so viele Gedanken‘ oder auch ‚Leg dir mal eine dickere Haut zu‘, haben bei mir noch nie zu viel geführt, außer dass ich mich unverstanden fühle und vielleicht selbst noch mehr verurteile.

Zurück zu Vivian Dittmar und den Gefühlen @work: Sie hat einen Gefühlskompass entwickelt, bei dem sie 5 Grundgefühle unterscheidet; das sind Angst, Freude, Scham, Trauer und Wut. Da kommt bei mir gleich das Bild aus dem Pixar-Film „Alles steht Kopf“ hoch, der das Zusammenspiel dieser Gefühle anschaulich darstellt (mit Ausnahme von Scham; stattdessen ist in dem Animationsfilm Ekel das fünfte Grundgefühl). Im Buch beschreibt die Autorin, welche Kraft in jedem der 5 Grundgefühle steckt, wobei ihr sehr wichtig ist, dass sich jedes Gefühl positiv und negativ äußern kann. Gehen wir sie der Reihe nach durch:

  • Angst kann in der positiven Ausprägung zu Innovation führen, weil ich mich überwinden muss. Die Schattenseite von Angst ist Lähmung, wenn ich mich einfach nicht überwinden kann.
  • Freude drückt sich positiv über Wertschätzung aus und zwar darüber, dass etwas, das erwartet wurde, tatsächlich eingetroffen ist. Wenn ich mir allerdings einen Fehlschlag nicht eingestehen kann und stattdessen alles ’schön rede‘, zeigt sich der Schatten der Freude als Illusion.
  • Scham als soziale Kraft ist dann hilfreich, wenn ich mich selbst reflektiere und meinen Umgang mit meinen Mitmenschen überdenke bzw. einen anderen damit finde. In der negativen Ausprägung führt Scham dazu, dass ich mich ständig in Frage stelle – Vivian Dittmar spricht hier von Selbstzerfleischung.
  • Trauer führt im positiven Sinne dazu, dass ich Situationen annehmen kann, die unabänderlich sind. Die Schattenseite von Trauer ist die Resignation; wenn ich zu schnell aufgebe, weil ich denke, ich kann eh nichts verändern.
  • Zu guter Letzt noch Wut (- die ich im oben genannten Pixar-Film so toll dargestellt finde mit dem  brennenden Kopf): Durch Wut wird Energie frei und ich kann in Aktion treten; also zwischenmenschlich so agieren, dass die Situation, über die ich mich ärgere, sich verändert. In der negativen Ausprägung führt Wut zu Zerstörung, wenn ich ohne Rücksicht auf Verluste quasi alles kurz und klein schlage.

Zu Beginn des Blog-Beitrags habe ich drei Fragen gestellt, die ich nun nach der Lektüre von Gefühle @work versuchen möchte zu beantworten plus der Zusatzfrage der Auflösung des Ganzen.

  1. Haben Gefühle Platz im Arbeitsleben? Ja, das haben und müssen sie – in der Arbeit und im Leben allgemein. Dazu fällt mir das Lied ‚Ich bin doch keine Maschine‘ von Tim Bendzko ein und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man krank wird, wenn man seine Gefühle unterdrückt oder ihnen nicht genug Raum in seinem Leben geben kann.

  2. Darf ich meinen Gefühlen offen und ehrlich Ausdruck im Arbeitsleben verleihen? Wie oben beschrieben ist hier die Unterscheidung zwischen emotionaler Altlast und einem Gefühl als sozialer Kraft wichtig. Im Hinterkopf versuche ich zu behalten, dass ich nicht sofort reagiere und auch nicht total eintauche in mein Gefühlsleben, wenn es mich gerade ‚über-mannt‘. Vivian Dittmar spricht von Gefühlen parken, wenn sie einen in einer Situation gerade überfordern. Das heißt, ich lasse das Gefühl zu – unterdrücke es also nicht, aber versuche es dann irgendwie zur Seite zu schieben und mich später damit zu beschäftigen. Außerdem muss ich davon ausgehen, dass es für das zwischenmenschliche Miteinander ganz wichtig ist, dass ich (und mein Gegenüber) meine (bwz. wir unsere) Gefühle ausdrücken. Ich möchte lernen, meine Gefühle angemessen auszudrücken.

  3. Warum ist das in der Vergangenheit auch mal schief gegangen? Weil ich mich von einer emotionalen Altlast dazu habe hinreißen lassen, meine Gefühle unangemessen auszudrücken – eigentlich lief das fast automatisch ab. Wenn ich genau hinschaue, habe ich in der ein oder anderen Situation aus heutiger Sicht wohl überreagiert, wusste es damals aber nicht besser, weil ich unbewusst an Situationen aus meiner Kindheit/Jugend erinnert wurde, die ich damals nicht verändern konnte. Damals war ich diesen Gefühlen ausgeliefert und so wurden sie zu emotionalen Altlasten. Heute aber bin ich erwachsen und kann und möchte mit gewissen Situationen anders umgehen: Ich möchte meine Gefühle besser im Griff haben.

  4. Und wie kann ich das jetzt tun? Erst einmal finde ich es wichtig, dass ich mir diese ganzen Zusammenhänge bewusst gemacht habe. Was ich diese Woche im Arbeitsalltag festgestellt habe, ist, dass mir Anteilnahme an meiner Situation von Kollegen oder auch im privaten Bereich hilft. Vivian Dittmar empfiehlt in ihrem Buch außerdem eine Methode, die ich (noch) nicht ausprobiert habe: das bewusste Entladen. Dabei ‚kotzt‘ man sich sozusagen 5-10 Minuten bei einer Person seines Vertrauens über eine belastende Situation aus, ohne dass man irgendwas zurückhält. Das Gesagte wird dabei absolut vertraulich behandelt; also wenn ich das richtig verstehe, reagiert das Gegenüber weder bei noch nach der bewussten Entladung auf das Gesagte. Laut der Autorin ist der erstaunliche Effekt dieser Praxis, „dass Menschen sich in diesem Rahmen innerhalb kürzester Zeit selbst sortieren können. Sie werden sozusagen ihr eigener Coach, einfach dadurch, dass ihnen aufmerksam und wertungsfrei zugehört wird“ (S. 144). So ganz kann ich mir das Ganze noch nicht vorstellen, aber ich finde es einen spannenden Ansatz und wer weiß, vielleicht kann ich ja demnächst bei jemandem bewusst entladen? Mein eigener Coach in Sachen Gefühle @work werden zu können, hört sich auf jeden Fall sehr verlockend an!

 

VickiVonVicki

„Aktiv für die Psyche“ am 31.01.2019

Wenn du die Möglichkeit hättest eine Information über deine psychische Erkrankung vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen, welche wäre es?“

Und welche sollte die ganze Welt wissen?“

Bin ich schuldig an meiner Erkrankung?“             „Ist überhaupt jemand schuldig, dass ich mich so fühle?“Muss ich für, bzw. gegen etwas kämpfen?“

         Diese und viele andere Fragen beschäftigten unsere Gruppe in der ersten Hälfte bei dem letzten Treffen am 31.01.2019. Unsere recht interessante Diskussion mit einem philosophischen Tiefsinn hat uns wieder bewiesen, wie unterschiedlich unsere Erfahrungen und damit verbundene Meinung sein kann. Es ist eine Bereicherung diese auszutauschen und so einen neuen Blick auf die gestellten Fragen zu bekommen.

Mich persönlich hat eine Aussage sehr zum Nachdenken gebracht: „Ich habe zwei Wörter aus meinem Wörterbuch gestrichen, und zwar Schuld und Kampf. Es ist klar, wenn man gegen etwas kämpft, dann erzielt man nur Gegenkampf. Druck gegen Druck. Es ist und war immer das schlimmste was Menschen machen könnten.“ Gegen was/wem kämpfe ich selbst? Ganz automatisch antworte ich auf die Frage, wie es mir geht mit: „Jaaa, ich kämpfe weiter“. Ich will aber nicht mit mir selbst kämpfen, ich wünsche mir, alles, was in mir passiert, besser zu verstehen und die Vergangenheit langsam zu verarbeiten und akzeptieren. Und natürlich will ich auch nicht mit meiner Umgebung kämpfen! Mein Wunsch, und der von jedem Betroffenen, ist mehr Geduld, Offenheit, Akzeptanz und Freundschaft..

        In der zweiten Hälfte haben wir uns über verschiedene Entspannungsmethoden ausgetauscht und festgestellt, dass jeder den Weg zum Entspannen selber finden muss. Manche von uns tendieren zu ruhigeren, sanften bzw. mentalen Methoden, wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Yoga, Fantasiereise, Meditation, Qi Gong, Feldenkreis oder Tai-Chi. Andere können sich gut beim Ausdauertraining entspannen. Diese zählt ja zu den sportwissenschaftlich anerkanntesten Stressbewältigungsmethoden! Wichtig ist es, offen fürs Neue zu sein und es auszuprobieren. Und so wie wir uns in dem Lauf der Zeit ändern, ändert sich auch unser „Entspannungsgeschmack“. Deswegen: auch wenn wir das Gefühl haben, dass die ausgesuchte Entspannungsmethode gar nicht zu uns passt, schließen wir nie die Tür hinter ihr!

Zum Schluss haben wir eine Imaginationsreise mit dieser schönen Übung gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=UEKUB7HSPTE

Ich freue mich auf unser nächstes Treffen!

Und bis dahin nicht vergessen:  RELAX    🙂

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Rückblick auf Selbsthilfe-Infoabend beim SpDi Erding

Vergangenen Donnerstag, am 31.1.19, fand beim Sozialpsychiatrischen Dienst kurz SPDI in Erding ein Informationsabend zum Thema Selbsthilfe mit meiner Mitwirkung statt. Schon seit einiger Zeit ist uns Selbsthilfe-Aktiven aufgefallen, dass wir immer mal wieder Anfragen für unsere Selbsthilfegruppe aus dem Erdinger Raum bekommen. Dann hat der Leiter des SpDis in Erding angefragt, ob ich als Referentin für einen Workshop zur Verfügung stehen würde. Gesagt, gemacht – und so stellte ich letzten Donnerstagabend in einem Impulsreferat meinen Weg in die Selbsthilfe vor, während Viki in Markt Schwaben das reguläre Gruppentreffen von ‚Aktiv für die Psyche‘ gestaltet und abgehalten hat.

In Erding hatten sich elf Betroffene und Angehörige von psychischen Erkrankten eingefunden und mit dem schwarzen Hund als ice-breaker begann mein Vortrag. (Anmerkung: Winston Churchill bezeichnete seine Depression als schwarzen Hund und mir gefällt das Bild sehr gut, dass das Ziel ist, sich nicht mehr von seiner Depression ‚übermannen‘ zu lassen, sondern den schwarzen Hund ‚an die Leine zu nehmen‘.] Neben ein paar allgemeinen Infos zu psychischen Erkrankungen und meinen Hindernissen damit, beschrieb ich meinen Weg in die Selbsthilfe. Weiterhin ging es um den Aufbau und heutigen Stand unserer Gruppe sowie ein paar Rahmenbedingungen für Selbsthilfegruppen und meine Er-Kenntnisse zum Thema Selbsthilfe.

Meine Er-Kenntnisse möchte ich an dieser Stelle teilen:

  • Dadurch, dass ich in der Selbsthilfe aktiv geworden bin, erlebe ich mich als authentisch und effektiv; sprich: Ich kann etwas (mit-)bewegen und -gestalten ~ trotz oder gerade wegen psychischer Probleme.
  • Bei mir war langjährige Therapie notwendig, aber jetzt erlebe ich in der Gruppe viel Verständnis füreinander, was mich irgendwie auch (ohne Therapie) ein Stück weit trägt.
  • Auch als Gründungsmitglied [einer Selbsthilfegruppe] will ich mich ‚zumuten‘ können; seit unserer Gründung hatte ich auch eine depressive Phase, bin aber weiter zur Gruppe gegangen und habe versucht im Rahmen meiner Möglichkeiten mitzugestalten.

Die Selbsthilfe-Interessierten haben positiv auf meine Ausführungen reagiert. Wie die Gruppe in Markt Schwaben abläuft, sorgte für viel Interesse und nach und nach entspann sich ein Gespräch, welche Vorstellungen zum Thema Selbsthilfe am Tisch vertreten waren. Neben Betroffenen haben sich auch 2-3 Personen als Angehörige geäußert und vielleicht kann in Erding ja eine Gruppe für Angehörige und Betroffene entstehen.

Unter der Moderation des Leiters vom SpDi Erding einigten wir uns am Schluss auf drei weitere Folgetreffen am Do 28.2.19, 14.3.19 und 28.3.19 jeweils um 18.30 im SpDi Erding (Münchner Str. 44). Falls sich dort nun eine neue Selbsthilfegruppe bildet, hat sie zum einen meine Unterstützung (am 28. Februar und 28. März komme ich auch wieder dazu) sowie eine Anbindung an den Sozialpsychiatrischen Dienst Erding. Ich bin gespannt, welcher Personenkreis sich dort bei den nächsten Treffen einfindet und würde mich freuen, wenn unsere Selbsthilfe-Arbeit weitere Kreise zieht.

Rückblick auf Selbsthilfe-Infoabend beim SpDi Erding
VickiVonVicki

Umgang mit der eigenen psychischen Erkrankung in der Öffentlichkeit

Unsere Selbsthilfegruppe “Aktiv für die Psyche” hat sich nach langen vier Wochen am 17.01.2019 wieder getroffen. Das Thema unseres ersten Treffens war “Umgang mit der eigenen psychischen Erkrankung in der Öffentlichkeit“. Es war eine sehr interessante Gesprächsrunde mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen.

Es ist nie leicht über die eigene psychische Erkrankung in der Öffentlichkeit zu reden. Das Wichtigste am Anfang ist es sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe und Unterstützung braucht. Wie ein Teilnehmer sagte: “Ich darf das fühlen, was ich grade fühle! Es ist in Ordnung und ich muss mich dafür nicht schämen.“ ob Trauer, Wut, Angst, Unsicherheit … das alles ist erlaubt und hat seinen Grund!

Leider haben viele Betroffene in ihrer Umgebung schlechte Erfahrungen gemacht oder sind mit einem – durch Familie, Freunde oder Medien- verzerrten Bild über psychisch erkrankte Menschen aufgewachsen. Solche negativen Einflüsse erzeugten eine noch größere Belastung auf betroffene Menschen mit extremen Folgegefühlen, wie Angst, Scham, Misstrauen. Gedanken wie “was denken sie über mich?“, “Sie halten mich für verrückt oder sogar gefährlich!”, “alle denken, dass ich nicht arbeiten will!” und ähnliches werden ganz eins mit der Person. Die ersten Erfahrungen, die man macht, beeinflussen oft den zukünftigen Umgang mit der eigenen Erkrankung. So passiert es leider häufig, dass man nicht die Hilfe bekommt, die man braucht. Man versteckt sich, leidet alleine. Es kann leider letztendlich auch sehr traurige Konsequenzen nach sich ziehen … desto mehr freut man sich über positive Erlebnisse zu hören! Wenn man Verständnis von der Familie, Kollegen, Freunden bekommt und selbst erfährt, wie viele andere unter uns denselben schwierigen Weg gehen müssen, fühlt man sich nicht so alleine und kann besser und sicherer vor anderen mit seiner Krankheit umgehen.

Egal ob Familienmitglied, Freund, Kollege oder selbst Betroffener:

Geben wir uns in der Gesellschaft gegenseitig die Möglichkeit mehr zu verstehen und vertrauen.

 

AlexanderVonAlexander

Breakdown – Ein Kurzfilm über Depressionen

Ein wunderbarer Kurzfilm zu Depressionen von Freunde fürs Leben e.V. zu Depressionen.

Es ist nie zu spät sich Hilfe zu holen

 

 

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Kostenloses Comicbuch über Einfluss seelischer Erkrankungen in Familien

Die Wunschperle“ heißt das Comicbuch, das der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Kooperation mit der Barmer herausgebracht hat.

Mit liebevollen Zeichnungen wird die Geschichte einer Schildkrötenfamilie erzählt, deren jüngster Sohn Anton an einer Depression erkrankt.

Anhand Antons Verhalten  werden gleich zu Beginn in kindgerechter Sprache typische Symptome einer depressiven Phase erklärt: Die kleine Schildkröte will nicht mehr mit seinen Geschwistern und Freunden spielen; außerdem schmeckt ihm seine Leibspeise ‚Algenlasagne‘ kaum mehr. 

Weiter geht es in dem Comic mit einer Auseinandersetzung der Eltern, die sich schwer mit dem Eingeständnis tun, dass ihr Jüngster erkrankt ist. Aber auch die Schwierigkeiten, die die Geschwisterkinder bekommen, werden dargestellt.

Als Anton in die sog. Wellen-Klinik muss, haben die Schildkröteneltern nur noch wenig Zeit für ihre anderen beiden Kinder. Zudem werden die beiden Geschwister von Freunden ausgelacht und Antons Bruder bekommt Probleme beim Tauchball, weil es Gerüchte um Antons psychische Erkrankung gibt. 

Während der Rest der Familie weiterhin versucht den normalen Alltag zu bewältigen, wird Antons Klinikaufenthalt beschrieben. Da gibt es den Doktorfisch Dr. Gibraltar, der mit der kleinen Schildkröte therapeutische Gespräche führt. Außerdem geht Anton in die Kunst- und in die Sporttherapie; sehr wichtig ist für ihn auch der Kontakt mit anderen jungen Patienten. Neben Depressionen kommen so auch die Symptome weiterer Störungen zum Ausdruck: Ein kleiner Killerwal hat eine Angststörung und drei weitere Fische ADHS, eine Ess- und eine Sprachstörung.

Spannend wird die Geschichte, als sich Anton und seine neuen Freunde unerlaubt auf die Suche nach einer geheimen Wunschperle machen und dabei mit ihren Ängsten und Sorgen konfrontiert werden. Es geht natürlich alles gut aus, aber sehr schön wird beschrieben, wie die Familie zusammenhält und die Eltern sich Mühe geben, dass auch die Geschwisterkinder in dieser schwierigen Situation nicht zu kurz kommen.

Als selbst Betroffene und Angehörige habe ich dieses doch recht lange Comicbuch (über 100 Seiten!) ‚in einem Happs quasi verschlungen‘. Sowohl den Psychiatrieaufenthalt der kleinen Schildkröte wie auch den Umgang der Familie damit finde ich sehr schön nachgezeichnet und habe viele Situationen wiedergefunden, die ich selbst so ähnlich erlebt habe (oder gern hätte).

Am Ende der Geschichte kommen vier Seiten, auf denen der Doktorfisch grundlegende Begriffe wie Klinik, Therapie, Selbsthilfegruppe, Seele und die 5 im Buch thematisierten Störungsbilder kindgerecht erklärt (Depression, Angststörung, Essstörung, Sprachstörung, ADHS). 

Zusätzlich zu dem Comicbuch gibt es auch noch ein Begleitbuch für Erwachsene, das aus drei Teilen besteht. Der erste Teil geht speziell auf die Situation der Geschwisterkinder ein, zeigt mögliche Probleme (Mobbing, Kontaktabbrüche, Ängste, schlechte Schulleistungen) und erste Lösungswege hierfür auf. Im zweiten Informationsteil wird ausführlicher über die häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen informiert. Der abschließende Serviceteil verweist auf Stellen, wo man Hilfe finden kann.

Hier der Link, um Comic und Begleitbuch kostenlos zu bestellen: https://www.bapk.de/projekte/die-wunschperle-geschwisterbuch.html

AlexanderVonAlexander

Weihnachtsfeier ‚Aktiv für die Psyche‘ in Markt Schwaben

Auch wir wollten es beim letzten Treffen entspannt angehen mit unserer Selbsthilfegruppe ‚Aktiv für die Psyche‘. Im weihnachtlich geschmückten Seniorenzentrum der AWO in Markt Schwaben feierten wir unser kleines, aber feines adventliches Gruppenfest. Viele unserer aktiven Teilnehmer der letzten Monate brachten Plätzchen, Lebkuchen und einer sogar drei Platten mit belegten Baguettes zur Überraschung aller mit. Die Firma PlaNet Fox spendierte 5 Flaschen Kinderpunsch und die Burschengemeinschaft Pastetten lieh uns den benötigten Glühweintopf. 
 
Somit war für alle Mitglieder genug zum Schnabulieren da und wir freuten uns in unserer Runde. Auch ein Schnuppergast fand genau zur Weihnachtsfeier den Weg zu uns. Es erfreut uns, dass viele von uns hören und den Weg irgendwann zu unseren Treffen finden. Unsere Gruppe hat sich seit dem Beginn im April 2018 kontinuierlich getroffen und seither stehen wir in gegenseitigem Austausch. Hinzu kamen gemeinsame Freizeitaktivitäten wie ein Besuch im Wildpark Poing, Spaziergänge in und um Markt Schwaben sowie ein gemeinsam verbrachter Quizabend in einem Pub. Zuletzt haben einige zusammen das Theaterstück ‚Der kleine Prinz‘ in Markt Schwaben angeschaut.
 
Zurück zu unserer Weihnachtsfeier: Ein amüsantes Highlight des Abends war das Schrottwichteln, das von Viki angeleitet wurde. Viele kannten es nicht und fanden es dann sehr lustig; so wurde viel gelacht und wir hatten Spaß. Einen besinnlichen Ausklang fand die Feier, als Andrea ihre Gitarre rausgeholt hat und die Saiten für ein paar Lieder angestimmt hat.
 
Wir wünschen unserern Teilnehmern und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start für 2019. Wir machen mit unserer Gruppe jetzt erst einmal eine kleine Pause bis Mitte Januar und am Donnerstag, den 17.1.19 geht es dann wieder ‚aktiv für die Psyche‘ weiter.
 
 
adminVonadmin

Bindungs-Traumatisierung Gesprächsabend Mitte November

Bei unserem Gesprächsabend Mitte November hat eine Teilnehmerin über das Thema Bindungs-Traumatisierung informiert. Sie hatte einen Vortrag im Traumahilfezentrum München von der Diplom-Psychologin Anneke Mahler besucht und diese hilfreichen Informationen in unsere Gruppe ‚weitergetragen‘. Wir freuen uns immer, wenn unsere Gruppenteilnehmer im Sinne unseres Gruppennamen ‚aktiv für die Psyche‘ werden und hier folgt ein ausführlicherer Bericht dessen, was unsere Teilnehmerin uns mitgeteilt hat.

Wir erfuhren, dass emotionale Bindung, die schon im Mutterleib beginnt, für das Leben so grundlegend wie Luft zum Atmen ist. Sie sichert das Überleben und die gesunde Entwicklung eines Säuglings. Ein Grundgefühl der Sicherheit, Wärme und Geborgenheit entsteht und trägt durch das Leben.

Wenn diese Bindungserfahrung in den ersten Lebensjahren durch eine Vielzahl von sich anhäufenden Kleinst-Traumen (Mehrzahl von Trauma) gestört ist, führt dies zu einem Kollaps im System und ein Bindungstrauma entsteht. Ein sog. Mikrotrauma kann entstehen, wenn das Kind z. B. emotionale Kälte, Desinteresse, Situationen des Alleinsseins, andauernde Entwertungen, Beschimpfungen, Verfluchen, Herabsetzungen, ständige Überforderungen erlebt. Oder wenn die Eltern oder Bezugspersonen psychisch / physisch krank sind oder sich unberechenbar verhalten, z. B. manchmal liebevoll sind und manchmal beleidigend, dann sinnlose Verbote, Erpressung, Ausgrenzung, Schweigen, Bestechung benutzen. Es können einige wenige dieser genannten Auslöser ausreichen für ein Bindungstrauma.

Es muss aber nicht zu einem Trauma kommen, wenn das Kind eine stabile Beziehung zu einer anderen Bezugsperson hat, wenn positive Kontakte zu Gleichaltrigen vorhanden sind oder wenn es ein wertschätzendes Klima in den Bildungseinrichtungen gibt.

Die Folgen eines Bindungstraumas reichen bis ins Erwachsenenalter. Man fühlt sich so, als ob man auf Dornen läuft, in Alarmbereitschaft lebt, Gefühle der Angst, Wut, Scham, Schuld, des Alleingelassen-Seins und der Hilflosigkeit hat, und diese oft im abrupten Wechsel erlebt und schlecht regulieren kann.

Es macht Mut, zu erfahren, dass unser Gehirn unser formbarstes Organ ist, das wir haben. Wir brauchen die Hoffnung nicht zu verlieren. Die Verhaltensweisen, die uns heute oft behindern, waren früher überlebensnotwendig. Zu erkennen, dass Schuld- und Schamgefühle in der Kindheit entstanden sind, aus der falschen Schlussfolgerung, ich wurde so schlecht behandelt, weil ich es nicht wert bin, o. ä., ist befreiend und erlösend. Eine Therapie mit korrektivem Gegenüber ist wichtig. In einem wertschätzendem Beziehungsklima ist ein ‚Nachnähren‘ möglich, das heißt man kann gewisse Defizite wieder aufholen.

Hier noch ein Video-Tipp von „selfhelpfortrauma“; darin geht es um eine einfache Klopfübung, um sich wieder in der Gegenwart zu verankern: https://www.youtube.com/watch?v=Od5ql7hNP4w

AlexanderVonAlexander

Es allen Recht machen? Rückblick Gruppentreffen

An diesem Donnerstag sprachen wir über die Schwierigkeit, es allen Recht zu machen. Dazu las Alex ein Geschichte von Nassrat Peseschkian vor

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen von Kesha. Der Vater saß auf dem Esel, den der Junge führte. >>Der arme Junge<<, sagte da ein Vorübergehender.>>Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kinde sich müde läuft.<< Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen. Gar nicht lange dauerte es, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme:>>So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenher läuft.>> Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater, sich hinter ihn auf den Esel zu setzen. >>Hat man so etwas schon gesehen?>> keifte eine schleierverhangene Frau, >>solche Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan, die arme Kreatur!<< Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen vom Esel herunter. Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: >>So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?<< Der Vater schob dem Esel ein Hand voll Stroh in Maul und legte seine Hand auf die Schulter seines Sohnes. >>Gleichgültig, was wir machen<<, sagte er, >>es findet sich doch immer jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.<<

Im Anschluss tauschten wir uns zu dem Thema aus. Viele haben oftmals in ihrer Jugend versucht, es allen Recht zu machen – v.a. ihren Eltern – und benötigten viel Kraft dafür. Irgendwann will man nur noch allen anderen gerecht werden und vergisst sich selbst und die Frage: Was möchte ich eigentlich? John Lennons Mutter sagte ihm in frühen Kinderjahren, 

„Das Wichtigste, was du in deinem Leben werden solltest, ist glücklich.“ 

Einige Jahre später wurde John Lennon in der Schule gefragt, was er später einmal werden möchte und er antwortete, „glücklich“. Der Lehrer meinte, er hätte die Frage nicht richtig, aber John Lennon antwortete dem Lehrer :

„Sie haben das Leben nicht verstanden.“ 

In der Geschichte mit dem Jungen, dem Vater und dem Esel ist gut zu sehen, dass es gar nicht möglich ist, es jedem Recht zu machen. Eltern versuchen ihren Kindern zu helfen, indem sie über die Erziehung einen Weg vorgeben, was sie für ihre Nachkommen für richtig halten. Natürlich ist es gut, wenn Eltern ihren Kindern eigene schlechte Erfahrungen und Situationen ersparen wollen. Jedoch ändern sich Gesellschaften und Situationen im Laufe der Zeit. Dadurch kommt es zu anderen Entscheidungen…

An unserem Gruppenabend ging es weiter mit einer Übung, die Matthias partnerweise anleitete. Dabei steht man sich gegenüber und die eine Person fragt die andere immer wieder: Wer bist du? Der Partner antwortet so lange auf die Frage, bis er Stopp sagt.

Wer bist du?

Ich bin ein Mensch.

Wer bist du?

Ich bin Freund.

Wer bist du?

Ich bin stark.

Wer bist du ?

Ich bin schwach.

Es war sehr interessant, wie unterschiedlich die Antworten waren. Manche fanden wenige Antworten, andere wiederum 10-12 Stück. Dies Übung dient dazu, unterschiedliche Erkenntnisse über das eigene ICH zu gewinnen. Danach sprachen wir über die Eindrücke eines Jeden.

Zum Abschluss dieses Donnerstagabends las Alex noch ein Märchen der Brüder Grimm vor.