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Gefühlsleben @work – Gedanken zum Buch von Vivian Dittmar

Haben Gefühle Platz im Arbeitsleben? Darf ich meinen Gefühlen offen und ehrlich Ausdruck verleihen? Warum ist das in der Vergangenheit auch mal so richtig schief gegangen?

Diese und ähnliche Fragen schwirren mir seit ein paar Monaten im Kopf herum. Angefangen hat es mit einer neuen Arbeitsstelle, bei der ich zu Beginn gefühlt 😉 von negativen Gefühlen überflutet wurde und nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Mittlerweile habe ich mich ein bisschen ge-settled und fühle mich langsam sicherer im Job. Geholfen haben mir dabei berufliches Coaching und ein Buch, das ich mir von einer Kollegin ausgeliehen habe: Gefühle @work ~ Wie emotionale Kompetenz Unternehmen transformieren kann.

Die Autorin Vivian Dittmar gibt in diesem Büchlein einen Überblick über ihre grundlegenden Erkenntnisse des oft schwammigen Gefühl-Begriffs. Eine erste wichtige Unterscheidung, die sie trifft und deren Verständnis mir weiter geholfen hat, ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Unter Gefühlen versteht sie notwendige soziale Kräfte, während Emotion bei ihr „Gefühle aus der Vergangenheit [bezeichnet], die damals überwältigend waren und deshalb nicht gefühlt wurden“ (S. 37). In diesem Zusammenhang spricht sie auch von emotionalen Altlasten. Für mich persönlich schließe ich daraus Folgendes: Wenn ich im zwischenmenschlichen Miteinander von einer Sache so ge-triggered werde, dass sich meine Gedankenwelt fast nur noch darum dreht, ist wahrscheinlich eine emotionale Altlast im Spiel und ich hüte mich besser davor, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Gleichzeitig ist jedoch nicht zu vergessen, dass Gefühle eine soziale Funktion haben. Auch wenn ich weiß, dass ich schnell ge-triggered werden kann, ist es wichtig, Gefühle zu erkennen und erst einmal für mich auch anzunehmen. Egal ob mit einer emotionalen Altlast oder einem Gefühl als soziale Kraft; irgendwie muss ich mich damit auseinandersetzen, sonst geht der Schuss nach hinten los.

Die vielleicht nett gemeinten Ratschläge in Bezug auf mein reges Gefühlsleben wie ‚Mach dir nicht so viele Gedanken‘ oder auch ‚Leg dir mal eine dickere Haut zu‘, haben bei mir noch nie zu viel geführt, außer dass ich mich unverstanden fühle und vielleicht selbst noch mehr verurteile.

Zurück zu Vivian Dittmar und den Gefühlen @work: Sie hat einen Gefühlskompass entwickelt, bei dem sie 5 Grundgefühle unterscheidet; das sind Angst, Freude, Scham, Trauer und Wut. Da kommt bei mir gleich das Bild aus dem Pixar-Film „Alles steht Kopf“ hoch, der das Zusammenspiel dieser Gefühle anschaulich darstellt (mit Ausnahme von Scham; stattdessen ist in dem Animationsfilm Ekel das fünfte Grundgefühl). Im Buch beschreibt die Autorin, welche Kraft in jedem der 5 Grundgefühle steckt, wobei ihr sehr wichtig ist, dass sich jedes Gefühl positiv und negativ äußern kann. Gehen wir sie der Reihe nach durch:

  • Angst kann in der positiven Ausprägung zu Innovation führen, weil ich mich überwinden muss. Die Schattenseite von Angst ist Lähmung, wenn ich mich einfach nicht überwinden kann.
  • Freude drückt sich positiv über Wertschätzung aus und zwar darüber, dass etwas, das erwartet wurde, tatsächlich eingetroffen ist. Wenn ich mir allerdings einen Fehlschlag nicht eingestehen kann und stattdessen alles ’schön rede‘, zeigt sich der Schatten der Freude als Illusion.
  • Scham als soziale Kraft ist dann hilfreich, wenn ich mich selbst reflektiere und meinen Umgang mit meinen Mitmenschen überdenke bzw. einen anderen damit finde. In der negativen Ausprägung führt Scham dazu, dass ich mich ständig in Frage stelle – Vivian Dittmar spricht hier von Selbstzerfleischung.
  • Trauer führt im positiven Sinne dazu, dass ich Situationen annehmen kann, die unabänderlich sind. Die Schattenseite von Trauer ist die Resignation; wenn ich zu schnell aufgebe, weil ich denke, ich kann eh nichts verändern.
  • Zu guter Letzt noch Wut (- die ich im oben genannten Pixar-Film so toll dargestellt finde mit dem  brennenden Kopf): Durch Wut wird Energie frei und ich kann in Aktion treten; also zwischenmenschlich so agieren, dass die Situation, über die ich mich ärgere, sich verändert. In der negativen Ausprägung führt Wut zu Zerstörung, wenn ich ohne Rücksicht auf Verluste quasi alles kurz und klein schlage.

Zu Beginn des Blog-Beitrags habe ich drei Fragen gestellt, die ich nun nach der Lektüre von Gefühle @work versuchen möchte zu beantworten plus der Zusatzfrage der Auflösung des Ganzen.

  1. Haben Gefühle Platz im Arbeitsleben? Ja, das haben und müssen sie – in der Arbeit und im Leben allgemein. Dazu fällt mir das Lied ‚Ich bin doch keine Maschine‘ von Tim Bendzko ein und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man krank wird, wenn man seine Gefühle unterdrückt oder ihnen nicht genug Raum in seinem Leben geben kann.

  2. Darf ich meinen Gefühlen offen und ehrlich Ausdruck im Arbeitsleben verleihen? Wie oben beschrieben ist hier die Unterscheidung zwischen emotionaler Altlast und einem Gefühl als sozialer Kraft wichtig. Im Hinterkopf versuche ich zu behalten, dass ich nicht sofort reagiere und auch nicht total eintauche in mein Gefühlsleben, wenn es mich gerade ‚über-mannt‘. Vivian Dittmar spricht von Gefühlen parken, wenn sie einen in einer Situation gerade überfordern. Das heißt, ich lasse das Gefühl zu – unterdrücke es also nicht, aber versuche es dann irgendwie zur Seite zu schieben und mich später damit zu beschäftigen. Außerdem muss ich davon ausgehen, dass es für das zwischenmenschliche Miteinander ganz wichtig ist, dass ich (und mein Gegenüber) meine (bwz. wir unsere) Gefühle ausdrücken. Ich möchte lernen, meine Gefühle angemessen auszudrücken.

  3. Warum ist das in der Vergangenheit auch mal schief gegangen? Weil ich mich von einer emotionalen Altlast dazu habe hinreißen lassen, meine Gefühle unangemessen auszudrücken – eigentlich lief das fast automatisch ab. Wenn ich genau hinschaue, habe ich in der ein oder anderen Situation aus heutiger Sicht wohl überreagiert, wusste es damals aber nicht besser, weil ich unbewusst an Situationen aus meiner Kindheit/Jugend erinnert wurde, die ich damals nicht verändern konnte. Damals war ich diesen Gefühlen ausgeliefert und so wurden sie zu emotionalen Altlasten. Heute aber bin ich erwachsen und kann und möchte mit gewissen Situationen anders umgehen: Ich möchte meine Gefühle besser im Griff haben.

  4. Und wie kann ich das jetzt tun? Erst einmal finde ich es wichtig, dass ich mir diese ganzen Zusammenhänge bewusst gemacht habe. Was ich diese Woche im Arbeitsalltag festgestellt habe, ist, dass mir Anteilnahme an meiner Situation von Kollegen oder auch im privaten Bereich hilft. Vivian Dittmar empfiehlt in ihrem Buch außerdem eine Methode, die ich (noch) nicht ausprobiert habe: das bewusste Entladen. Dabei ‚kotzt‘ man sich sozusagen 5-10 Minuten bei einer Person seines Vertrauens über eine belastende Situation aus, ohne dass man irgendwas zurückhält. Das Gesagte wird dabei absolut vertraulich behandelt; also wenn ich das richtig verstehe, reagiert das Gegenüber weder bei noch nach der bewussten Entladung auf das Gesagte. Laut der Autorin ist der erstaunliche Effekt dieser Praxis, „dass Menschen sich in diesem Rahmen innerhalb kürzester Zeit selbst sortieren können. Sie werden sozusagen ihr eigener Coach, einfach dadurch, dass ihnen aufmerksam und wertungsfrei zugehört wird“ (S. 144). So ganz kann ich mir das Ganze noch nicht vorstellen, aber ich finde es einen spannenden Ansatz und wer weiß, vielleicht kann ich ja demnächst bei jemandem bewusst entladen? Mein eigener Coach in Sachen Gefühle @work werden zu können, hört sich auf jeden Fall sehr verlockend an!

 

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Rückblick auf Selbsthilfe-Infoabend beim SpDi Erding

Vergangenen Donnerstag, am 31.1.19, fand beim Sozialpsychiatrischen Dienst kurz SPDI in Erding ein Informationsabend zum Thema Selbsthilfe mit meiner Mitwirkung statt. Schon seit einiger Zeit ist uns Selbsthilfe-Aktiven aufgefallen, dass wir immer mal wieder Anfragen für unsere Selbsthilfegruppe aus dem Erdinger Raum bekommen. Dann hat der Leiter des SpDis in Erding angefragt, ob ich als Referentin für einen Workshop zur Verfügung stehen würde. Gesagt, gemacht – und so stellte ich letzten Donnerstagabend in einem Impulsreferat meinen Weg in die Selbsthilfe vor, während Viki in Markt Schwaben das reguläre Gruppentreffen von ‚Aktiv für die Psyche‘ gestaltet und abgehalten hat.

In Erding hatten sich elf Betroffene und Angehörige von psychischen Erkrankten eingefunden und mit dem schwarzen Hund als ice-breaker begann mein Vortrag. (Anmerkung: Winston Churchill bezeichnete seine Depression als schwarzen Hund und mir gefällt das Bild sehr gut, dass das Ziel ist, sich nicht mehr von seiner Depression ‚übermannen‘ zu lassen, sondern den schwarzen Hund ‚an die Leine zu nehmen‘.] Neben ein paar allgemeinen Infos zu psychischen Erkrankungen und meinen Hindernissen damit, beschrieb ich meinen Weg in die Selbsthilfe. Weiterhin ging es um den Aufbau und heutigen Stand unserer Gruppe sowie ein paar Rahmenbedingungen für Selbsthilfegruppen und meine Er-Kenntnisse zum Thema Selbsthilfe.

Meine Er-Kenntnisse möchte ich an dieser Stelle teilen:

  • Dadurch, dass ich in der Selbsthilfe aktiv geworden bin, erlebe ich mich als authentisch und effektiv; sprich: Ich kann etwas (mit-)bewegen und -gestalten ~ trotz oder gerade wegen psychischer Probleme.
  • Bei mir war langjährige Therapie notwendig, aber jetzt erlebe ich in der Gruppe viel Verständnis füreinander, was mich irgendwie auch (ohne Therapie) ein Stück weit trägt.
  • Auch als Gründungsmitglied [einer Selbsthilfegruppe] will ich mich ‚zumuten‘ können; seit unserer Gründung hatte ich auch eine depressive Phase, bin aber weiter zur Gruppe gegangen und habe versucht im Rahmen meiner Möglichkeiten mitzugestalten.

Die Selbsthilfe-Interessierten haben positiv auf meine Ausführungen reagiert. Wie die Gruppe in Markt Schwaben abläuft, sorgte für viel Interesse und nach und nach entspann sich ein Gespräch, welche Vorstellungen zum Thema Selbsthilfe am Tisch vertreten waren. Neben Betroffenen haben sich auch 2-3 Personen als Angehörige geäußert und vielleicht kann in Erding ja eine Gruppe für Angehörige und Betroffene entstehen.

Unter der Moderation des Leiters vom SpDi Erding einigten wir uns am Schluss auf drei weitere Folgetreffen am Do 28.2.19, 14.3.19 und 28.3.19 jeweils um 18.30 im SpDi Erding (Münchner Str. 44). Falls sich dort nun eine neue Selbsthilfegruppe bildet, hat sie zum einen meine Unterstützung (am 28. Februar und 28. März komme ich auch wieder dazu) sowie eine Anbindung an den Sozialpsychiatrischen Dienst Erding. Ich bin gespannt, welcher Personenkreis sich dort bei den nächsten Treffen einfindet und würde mich freuen, wenn unsere Selbsthilfe-Arbeit weitere Kreise zieht.

Rückblick auf Selbsthilfe-Infoabend beim SpDi Erding
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Kostenloses Comicbuch über Einfluss seelischer Erkrankungen in Familien

Die Wunschperle“ heißt das Comicbuch, das der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Kooperation mit der Barmer herausgebracht hat.

Mit liebevollen Zeichnungen wird die Geschichte einer Schildkrötenfamilie erzählt, deren jüngster Sohn Anton an einer Depression erkrankt.

Anhand Antons Verhalten  werden gleich zu Beginn in kindgerechter Sprache typische Symptome einer depressiven Phase erklärt: Die kleine Schildkröte will nicht mehr mit seinen Geschwistern und Freunden spielen; außerdem schmeckt ihm seine Leibspeise ‚Algenlasagne‘ kaum mehr. 

Weiter geht es in dem Comic mit einer Auseinandersetzung der Eltern, die sich schwer mit dem Eingeständnis tun, dass ihr Jüngster erkrankt ist. Aber auch die Schwierigkeiten, die die Geschwisterkinder bekommen, werden dargestellt.

Als Anton in die sog. Wellen-Klinik muss, haben die Schildkröteneltern nur noch wenig Zeit für ihre anderen beiden Kinder. Zudem werden die beiden Geschwister von Freunden ausgelacht und Antons Bruder bekommt Probleme beim Tauchball, weil es Gerüchte um Antons psychische Erkrankung gibt. 

Während der Rest der Familie weiterhin versucht den normalen Alltag zu bewältigen, wird Antons Klinikaufenthalt beschrieben. Da gibt es den Doktorfisch Dr. Gibraltar, der mit der kleinen Schildkröte therapeutische Gespräche führt. Außerdem geht Anton in die Kunst- und in die Sporttherapie; sehr wichtig ist für ihn auch der Kontakt mit anderen jungen Patienten. Neben Depressionen kommen so auch die Symptome weiterer Störungen zum Ausdruck: Ein kleiner Killerwal hat eine Angststörung und drei weitere Fische ADHS, eine Ess- und eine Sprachstörung.

Spannend wird die Geschichte, als sich Anton und seine neuen Freunde unerlaubt auf die Suche nach einer geheimen Wunschperle machen und dabei mit ihren Ängsten und Sorgen konfrontiert werden. Es geht natürlich alles gut aus, aber sehr schön wird beschrieben, wie die Familie zusammenhält und die Eltern sich Mühe geben, dass auch die Geschwisterkinder in dieser schwierigen Situation nicht zu kurz kommen.

Als selbst Betroffene und Angehörige habe ich dieses doch recht lange Comicbuch (über 100 Seiten!) ‚in einem Happs quasi verschlungen‘. Sowohl den Psychiatrieaufenthalt der kleinen Schildkröte wie auch den Umgang der Familie damit finde ich sehr schön nachgezeichnet und habe viele Situationen wiedergefunden, die ich selbst so ähnlich erlebt habe (oder gern hätte).

Am Ende der Geschichte kommen vier Seiten, auf denen der Doktorfisch grundlegende Begriffe wie Klinik, Therapie, Selbsthilfegruppe, Seele und die 5 im Buch thematisierten Störungsbilder kindgerecht erklärt (Depression, Angststörung, Essstörung, Sprachstörung, ADHS). 

Zusätzlich zu dem Comicbuch gibt es auch noch ein Begleitbuch für Erwachsene, das aus drei Teilen besteht. Der erste Teil geht speziell auf die Situation der Geschwisterkinder ein, zeigt mögliche Probleme (Mobbing, Kontaktabbrüche, Ängste, schlechte Schulleistungen) und erste Lösungswege hierfür auf. Im zweiten Informationsteil wird ausführlicher über die häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen informiert. Der abschließende Serviceteil verweist auf Stellen, wo man Hilfe finden kann.

Hier der Link, um Comic und Begleitbuch kostenlos zu bestellen: https://www.bapk.de/projekte/die-wunschperle-geschwisterbuch.html

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Nähe und Distanz vom 6.9.

Manchmal, wenn wir am dringendsten Nähe brauchen, distanzieren wir uns am meisten.

Letzten Donnerstag ging es darum, zwischen Nähe und Distanz ein Gleichgewicht zu finden. Um das Thema direkt erlebbar zu machen, haben wir dazu ein paar Übungen gemacht. Jeweils zwei Leute haben sich gegenüber mit einem Abstand von ca. 4 Metern aufgestellt. Zuerst sollte die Person von links langsam auf die andere zugehen und miteinander sollte nonverbal abgestimmt werden, wann sie stehen bleibt. Beim zweiten Durchgang ging die Person von rechts auf die andere zu und bei einem letzten Durchgang gingen beide aufeinander zu und blieben voreinander stehen.

Wie wurde nun kommuniziert? Über Augenkontakt, Lächeln zum Beispiel. Was waren Hindernisse? Größe, sich nicht trauen, dem anderen zu signalisieren, ob man mehr Nähe oder mehr Distanz braucht. Im Großen und Ganzen hielten viele eine Entfernung von circa einer Armlänge ein, was auch unseren kulturellen Gewohnheiten entspricht. In Japan sieht man sich beispielsweise nicht unbedingt in die Augen beim Gespräch, während die Gepflogenheiten in südlichen Ländern oft mehr Nähe zulassen.

Einige berichteten, dass sie in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, Nein zu sagen und ihre Grenzen im Miteinander schnell überschritten wurden. Eine andere Problematik ist die der Co-Abhängigkeit, wenn man so auf eine andere Person fixiert ist, dass man es alleine nicht gut aushält. Grenzen sind also immer wichtig, um sich selbst zu spüren, aber auch Nähe zuzulassen ist eine Kunst. Das Geheimnis liegt wohl darin, immer wieder auf andere Menschen zugehen zu können und sich auch immer wieder entfernen zu können ~ so wie es unsere Übungen am Anfang gut veranschaulicht haben.

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Selbsthilfe in Sachen Beziehungen, Umgang mit Freunden, Angehörigen usw.

Am vorletzten Donnerstagabend im August stand unser Treffen unter dem Thema der zwischenmenschlichen Beziehungen. Ob mit Familie, Partnern oder anderen Bekanntschaften, zwischenmenschliche Beziehungen wollen gepflegt werden, wenn sie Bestand haben sollen. Gerade das kann für depressiv Erkrankte eine Herausforderung sein, da sich einige in akuten Phasen oft lieber zurückziehen. Hier wollen wir mit unserer Selbsthilfegruppe das Angebot machen, sich auch in schwierigen Zeiten mit Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu treffen.

An unserem Gruppenabend haben wir anhand von 5 allgemeinen Problemstellungen besprochen, wie sich für uns der Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen gestaltet. Ein erstes Problem, das in jeder Beziehung/Freundschaft usw. auftreten kann, ist das fehlende Interesse am Gegenüber. Wenn man den anderen abstempelt und nicht mehr nachfragt, was ihn oder sie bewegt, kommt es zum Stillstand. Das kann einerseits passieren, wenn z.B. ein psychisch Erkrankter erstmal Ablehnung von einer nahestehenden Person aufgrund der Erkrankung erfahren hat und denkt, dass es immer so sein wird. Oder eben umgekehrt; wenn eine ‚gesunde‘ Person davon ausgeht, dass der Andere jetzt immer krank sein wird.

„Heilung erfolgt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass man sein Gegenüber niemals kennt und die Beziehung immer wieder neu herstellt, durch Anteilnahme und Nachfragen.“ (Meyer 2014)

Außerdem kann es zu Beziehungsproblemen kommen, wenn man die eigene Meinung oder das was man selber braucht, immer über die Meinung oder Bedürfnisse des Anderen stellt. Manche Depressive haben das Problem, ihr ‚Eigenes‘ gar nicht mehr richtig zu spüren oder ausdrücken zu können. Hier ist Selbstliebe sehr wichtig und von ‚Gesunden‘ die Haltung, dass der Andere seinen Raum hat oder seinen Anteil bekommen soll, auch wenn er das selbst gerade nicht so gut kann.

Was nun, wenn es zu einem Bruch in der Freundschaft oder Ähnlichem kommt? Verletzungen liegen in der menschlichen Natur; wichtig wäre es aber, sich versöhnlich zu zeigen und auch wieder verzeihen zu können. Einige depressive Erkrankte kennen den Vorwurf ‚Raff‘ dich doch mal auf – das kann doch nicht sein, dass du nichts unternimmst‘ gut. Und Angehörige leiden natürlich oft unter dieser Starre ihrer Lieben. Es wäre schön, wenn diese Vorwürfe immer mal wieder auch unterbrochen werden können und vielleicht in stabileren Phasen eine Aussprache stattfindet.

Unversöhnlichkeit kann nämlich in einem verschlossenen Herzen enden, und

„wer sein Herz verschlossen hat, glaubt, es gegen jemanden bestimmten verschlossen zu haben. Doch tatsächlich richtet sich ein verschlossenes Herz immer gegen einen selbst.“ (Meyer 2014)

Rechts im Bild: Unser schwarzer (Depressions-)Hund und die 5 Problematiken nach Meyer – https://www.huffingtonpost.de/thomas-meyer/die-funf-problemstellungen-der-zwischenmenschlichen-beziehung-und-ihre-heilung_b_5430050.html

 

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Thema Sehnsucht am 09.08.18

Letzten Donnerstag hat sich unsere Selbsthilfegruppe mit dem Thema Sehnsucht beschäftigt. Nach einer allgemeinen Befindlichkeitsrunde wurde passend zur Ferienzeit eine Geschichte vorgelesen, in der ein Pappkoffer für die Sehnsucht der Autorin steht. Im Anschluss konnte jede/r sich ein eigenes Zitat aussuchen, das sich um Sehnsucht dreht. Hier ein Beispiel:

„Der sensible Mensch leidet nicht aus diesem oder jenem Grunde, sondern ganz allein, weil nichts auf dieser Welt seine Sehnsucht stillen kann.“ (Jean Paul Sartre)

Schließlich hat jedes Gruppenmitglied sein oder ihr Zitat vorgelesen und erzählt, welche Sehnsucht sie damit verbinden. Es fielen Begriffe wie Liebe, Geborgenheit, lernen mit der Krankheit umzugehen, im Urlaub einfach alles mal hinter sich zu lassen, das Meer und mehr:). Auch um den Umgang mit Traurigkeit ging es; ein passendes Zitat einer Teilnehmerin dazu:

Weinen ist wie eine Waschmaschine für die Seele.

Zuletzt haben alle versucht, ein Symbol oder einen Gegenstand für ihre Sehnsucht zu finden und damit haben wir ‚Ich packe meinen Koffer‘ gespielt. Für die nächste Zeit ist ein Frühstücksbrunch in Markt Schwaben oder eine Fahrradtour in den Ebersberger Forst geplant – je nach Wetterlage.

 

Weißt du, dass Pfirsichblüten

innen traurig sind?

Sie haben nämlich in der Nacht geweint,

weil sie so Sehnsucht hatten

nach dem Wind und nach der Sonne,

die doch nachts nicht scheint.

Weißt  du,

dass auch so deine Augen sind?

[Heinz Kahlau]

 

 

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Termine + Pläne Sommer 2018 Selbsthilfe ‚Aktiv für die Psyche‘

Hier unsere Termine für den Sommer: Do 28.6., Do 12.7., Do 26.7., Do 9.8. und Do 23.8. jeweils von 18.15-19.45 im AWO-Seniorenzentrum in der Trappenstreustr. 12 in Markt Schwaben (Speisesaal im Untergeschoss) 

Mittlerweile haben sich die Treffen unserer Selbsthilfegruppe etwas eingependelt und es gibt einen kleinen festen Kern sowie wechselnd ein paar weitere Teilnehmer, so dass wir meistens ca. zu zehnt sind. Nach unserem Besuch im Wildpark Poing in den Pfingstferien haben wir über die Themen Achtsamkeit gesprochen und heute steht Burn-Out auf dem Plan. Angedacht ist außerdem einen Ex-In-Referenten vom Sozialpsychiatrischen Dienst Ebersberg zum Thema Psyche und Arbeitswelt einzuladen. Außerdem hat uns das Selbsthilfezentrum München angeboten,  dass wir unsere Gruppe in der Herbst-Ausgabe ihres Journals vorstellen. Diesen Text können wir auch gemeinsam bis August in der Gruppe verfassen. Und: entweder vor oder nach den Sommerferien wollen wir einmal in den Biergarten fahren.. Wir haben also einige Pläne!

Andrea MartinaVonAndrea Martina

3. Treffen Selbsthilfe-gruppe ‚Aktiv für die Psyche‘ + Wildpark-besuch 31.05.18

Am Donnerstag, den 17.05.18 war es wieder so weit und wir haben uns zum dritten Mal zusammengefunden. Die Gruppengröße pendelt sich langsam bei 10 bis 12 Leuten ein und im Stuhlkreis lässt es sich nun vertraulich miteinander reden.

Die erste Hälfte des Abends haben wir uns mit der Frage beschäftigt: Was bzw. wie ist ein/e gute/r Therapeut/in für mich? Ziemlich schnell kamen wir darauf, dass immer eine Art Beziehung zwischen Klient und Therapeut entsteht. Wichtig ist, dass diese Beziehung von Vertrauen und Verständnis geprägt ist. Durch Erfahrung und Fachwissen ist der Therapeut dem Klienten einen Schritt voraus und hilft, einen eigenen Weg zu finden, um mit der belastenden Situation besser umzugehen. In diesem Zusammenhang fielen noch die Stichworte Akzeptanz und Wertschätzung sowie die Frage danach, ob es  möglich ist, seinen Mitmenschen immer respektvoll zu begegnen.

Das zweite große Thema waren Energiefresser und Energiegeber. An unserer linken Klebetafel haben wir zunächst Energiefresser wie negative Grundüberzeugungen, stresserzeugende Situationen, Rückschläge/Enttäuschungen, Erwartungen und Versagensängste gesammelt. Auf der mittleren Tafel, dem sog. Wechselfeld, haben wir Punkte gesammelt, die je nach individuellem Umgang damit oder auch situationsbedingt Energie rauben oder spenden können. Dazu gehören für uns: Internet/Fernsehen, Beziehungen, Wut und Tränen.

Zu den Energiegebern zählen eine gute Therapie und die Natur. Darüber wollen wir uns noch ausführlicher bei unserem nächsten Gruppentreffen am Donnerstag, den 14.06.2018 unterhalten. Um als Gruppe in den Pfingstferien gleich ein bisschen Energie zu tanken, gehen wir an Fronleichnam (Do 31.05.18) um 11 Uhr gemeinsam in den Wildpark Poing. Wer mitkommen möchte, kann sich bis Mittwoch Abend, 30.05.18, unter team@depression-erding.de anmelden.

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Unser zweites Treffen von ‚Aktiv für die Psyche‘: Thema Psycho-therapie

Letzten Donnerstag hat sich unsere neue Selbsthilfegruppe zum zweiten Mal in Markt Schwaben getroffen – mit etwas verminderter Teilnehmerzahl, dafür ging es diesmal thematisch sehr in die Tiefe!!

Als erstes Thema von den zahlreichen Anregungen aus dem Auftakttreffen vom 19.04.18 haben wir uns mit den Formen der (Gesprächs-)Psychotherapie befasst.

Von den Krankenkassen offiziell anerkannt inkl. Kostenübernahme sind in Deutschland die folgenden drei Formen: Verhaltenstherapie, analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Diese kognitiv ausgerichteten Therapieformen haben wir überblicksmäßig vorgestellt und es kam zu einem intensiven Austausch über die einzelnen Verfahren mit einigen unserer 10 Teilnehmer. Für unseren Überblick der Therapieformen haben wir uns auf folgenden Artikel berufen: https://www.apotheken-umschau.de/Psychotherapie

So konnten wir alle etwas dazu lernen; es wurden Beispiele dafür genannt, was in einer Verhaltenstherapie konkret behandelt werden kann, die Unterscheidung zwischen Psychoanalyse und Tiefenpsychologie eingehend diskutiert sowie auf den Mehrwert hingewiesen, den auch körperzentrierte Therapieformen wie beispielsweise die Gestalttherapie bieten (- leider muss man diese oft noch selbst finanzieren).

Zuletzt haben wir uns mit dem mitunter schwierigen Unterfangen der Therapeutensuche beschäftigt. Neben dem Hausarzt, der eine Liste von Therapeuten aushändigen kann, gibt es in Bayern seit etwa einem Jahr sogenannte Terminservicestellen, die Patienten dabei unterstützen, einen Termin bei einem Facharzt oder Psychotherapeuten zu vereinbaren. Detaillierte Patienteninformationen von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern dazu unter: https://www.kvb.de/service/patienten/terminservicestelle-bayern/

Außerdem kamen noch zwei konkrete Vermittlungsstellen in der Stadt München zur Sprache: 1. Die Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse e.V. ~ im Netz zu finden unter https://www.psychoanalyse-map.de/beratungsstelle/index.php und 2. Das Centrum für Integrative Psychotherapie ebenso in München + online hier: http://www.cip-akademie.de/pages/ambulanz.php

Bei unserem nächsten Treffen am Donnerstag vor den Pfingstferien (17.05.2018) wollen wir uns zunächst mit der Frage beschäftigen, wie ein guter Therapeut arbeitet. Wir freuen uns auf den kommenden Austausch und zur ‚Überbrückung der Wartezeit‘ hier noch ein letzter Link ~ passend noch einmal zum Thema „So finden Sie den richtigen Therapeuten“: https://www.apotheken-umschau.de/Therapien/So-finden-Sie-einen-Psychotherapeuten-517679.html

 

Andrea MartinaVonAndrea Martina

10 wichtige Punkte im Umgang mit depressiv Erkrankten

1. Depression ist keine WahlBetroffene fühlen sich in ihrem eigenen Körper und Geist wie gefangen!

2. Sätze wie – „Es wird alles wieder gut. Geh‘ doch mal raus. Du denkst zu viel.“ – helfen nicht. Im Gegenteil: Sie erzeugen noch mehr innere Anspannung und verschlimmern die Situation!

3. Besser ist es zu sagen: „Ich bin für dich da.“

4. Wenn Depressive auf Distanz gehen, sollte man sie nicht dazu zwingen sich zu öffnen und Zeit miteinander zu verbringen. Sie isolieren sich, weil sie sich schuldig fühlen. Es belastet sie oft sehr, eine Last für Andere zu sein!

5. Es ist ok, immer mal wieder frustriert im Umgang mit Depressiven zu werden. Aufopferung bringt niemanden etwas. An erster Stelle stehen immer die eigenen Ressourcen; wenn dann noch Kraft übrig ist, kann man versuchen zu unterstützen.

6. Depressive sind schnell mit den einfachsten Dingen überfordert. In einem Augenblick scheint mit ihnen noch alles in Ordnung zu sein, und plötzlich werden sie müde und haben überhaupt keine Energie mehr. Anhaltende Erschöpfung ist eine häufige Begleiterscheinung dieser Erkrankung.

7. Immer daran denken: Es ist nichts Persönliches gegen Sie! Depressive kämpfen jeden Tag eine innere Schlacht mit sich selbst!!

8. Versuchen Sie nicht von Ihren Erfahrungen auf die des oder der Depressiven zu schließen! Die Depression ist eine psychische Erkrankung; das ist etwas Anderes als einen schlechten Tag zu haben oder mal traurig zu sein.

9. Spielen Sie nie den ‚bad cop‘ (‚bösen Bullen‘): Das wird überhaupt nichts bringen. Wenn man Depressiven ein schlechtes Gewissen macht, werden sie sich wegen des Drucks nur noch weiter zurückziehen.

10. Versuchen Sie Ihr Möglichstes, die Dinge aus der Perspektive des oder der Depressiven zu sehen. Stellen Sie sich ein Leben vor, in dem sie andauernd von ihren Gedanken überwältigt werden. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, gehören zu den stärksten Personen, die sie jemals kennenlernen werden.

Seien Sie einfach für Sie da und erinnern Sie sie daran, wie stark sie schon sind!!!

In Anlehnung an David Avocado Wolfe (Facebook-Beitrag) und https://www.relrules.com/10-things-to-remember-when-you-love-a-person-who-has-depression/ [englischer Beitrag vom 21.04.0217; letzter Zugriff: 06.05.2018]