Monatsarchiv Januar 2019

VickiVonVicki

Umgang mit der eigenen psychischen Erkrankung in der Öffentlichkeit

Unsere Selbsthilfegruppe “Aktiv für die Psyche” hat sich nach langen vier Wochen am 17.01.2019 wieder getroffen. Das Thema unseres ersten Treffens war “Umgang mit der eigenen psychischen Erkrankung in der Öffentlichkeit“. Es war eine sehr interessante Gesprächsrunde mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen.

Es ist nie leicht über die eigene psychische Erkrankung in der Öffentlichkeit zu reden. Das Wichtigste am Anfang ist es sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe und Unterstützung braucht. Wie ein Teilnehmer sagte: “Ich darf das fühlen, was ich grade fühle! Es ist in Ordnung und ich muss mich dafür nicht schämen.“ ob Trauer, Wut, Angst, Unsicherheit … das alles ist erlaubt und hat seinen Grund!

Leider haben viele Betroffene in ihrer Umgebung schlechte Erfahrungen gemacht oder sind mit einem – durch Familie, Freunde oder Medien- verzerrten Bild über psychisch erkrankte Menschen aufgewachsen. Solche negativen Einflüsse erzeugten eine noch größere Belastung auf betroffene Menschen mit extremen Folgegefühlen, wie Angst, Scham, Misstrauen. Gedanken wie “was denken sie über mich?“, “Sie halten mich für verrückt oder sogar gefährlich!”, “alle denken, dass ich nicht arbeiten will!” und ähnliches werden ganz eins mit der Person. Die ersten Erfahrungen, die man macht, beeinflussen oft den zukünftigen Umgang mit der eigenen Erkrankung. So passiert es leider häufig, dass man nicht die Hilfe bekommt, die man braucht. Man versteckt sich, leidet alleine. Es kann leider letztendlich auch sehr traurige Konsequenzen nach sich ziehen … desto mehr freut man sich über positive Erlebnisse zu hören! Wenn man Verständnis von der Familie, Kollegen, Freunden bekommt und selbst erfährt, wie viele andere unter uns denselben schwierigen Weg gehen müssen, fühlt man sich nicht so alleine und kann besser und sicherer vor anderen mit seiner Krankheit umgehen.

Egal ob Familienmitglied, Freund, Kollege oder selbst Betroffener:

Geben wir uns in der Gesellschaft gegenseitig die Möglichkeit mehr zu verstehen und vertrauen.

 

AlexanderVonAlexander

Breakdown – Ein Kurzfilm über Depressionen

Ein wunderbarer Kurzfilm zu Depressionen von Freunde fürs Leben e.V. zu Depressionen.

Es ist nie zu spät sich Hilfe zu holen

 

 

Andrea MartinaVonAndrea Martina

Kostenloses Comicbuch über Einfluss seelischer Erkrankungen in Familien

Die Wunschperle“ heißt das Comicbuch, das der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Kooperation mit der Barmer herausgebracht hat.

Mit liebevollen Zeichnungen wird die Geschichte einer Schildkrötenfamilie erzählt, deren jüngster Sohn Anton an einer Depression erkrankt.

Anhand Antons Verhalten  werden gleich zu Beginn in kindgerechter Sprache typische Symptome einer depressiven Phase erklärt: Die kleine Schildkröte will nicht mehr mit seinen Geschwistern und Freunden spielen; außerdem schmeckt ihm seine Leibspeise ‚Algenlasagne‘ kaum mehr. 

Weiter geht es in dem Comic mit einer Auseinandersetzung der Eltern, die sich schwer mit dem Eingeständnis tun, dass ihr Jüngster erkrankt ist. Aber auch die Schwierigkeiten, die die Geschwisterkinder bekommen, werden dargestellt.

Als Anton in die sog. Wellen-Klinik muss, haben die Schildkröteneltern nur noch wenig Zeit für ihre anderen beiden Kinder. Zudem werden die beiden Geschwister von Freunden ausgelacht und Antons Bruder bekommt Probleme beim Tauchball, weil es Gerüchte um Antons psychische Erkrankung gibt. 

Während der Rest der Familie weiterhin versucht den normalen Alltag zu bewältigen, wird Antons Klinikaufenthalt beschrieben. Da gibt es den Doktorfisch Dr. Gibraltar, der mit der kleinen Schildkröte therapeutische Gespräche führt. Außerdem geht Anton in die Kunst- und in die Sporttherapie; sehr wichtig ist für ihn auch der Kontakt mit anderen jungen Patienten. Neben Depressionen kommen so auch die Symptome weiterer Störungen zum Ausdruck: Ein kleiner Killerwal hat eine Angststörung und drei weitere Fische ADHS, eine Ess- und eine Sprachstörung.

Spannend wird die Geschichte, als sich Anton und seine neuen Freunde unerlaubt auf die Suche nach einer geheimen Wunschperle machen und dabei mit ihren Ängsten und Sorgen konfrontiert werden. Es geht natürlich alles gut aus, aber sehr schön wird beschrieben, wie die Familie zusammenhält und die Eltern sich Mühe geben, dass auch die Geschwisterkinder in dieser schwierigen Situation nicht zu kurz kommen.

Als selbst Betroffene und Angehörige habe ich dieses doch recht lange Comicbuch (über 100 Seiten!) ‚in einem Happs quasi verschlungen‘. Sowohl den Psychiatrieaufenthalt der kleinen Schildkröte wie auch den Umgang der Familie damit finde ich sehr schön nachgezeichnet und habe viele Situationen wiedergefunden, die ich selbst so ähnlich erlebt habe (oder gern hätte).

Am Ende der Geschichte kommen vier Seiten, auf denen der Doktorfisch grundlegende Begriffe wie Klinik, Therapie, Selbsthilfegruppe, Seele und die 5 im Buch thematisierten Störungsbilder kindgerecht erklärt (Depression, Angststörung, Essstörung, Sprachstörung, ADHS). 

Zusätzlich zu dem Comicbuch gibt es auch noch ein Begleitbuch für Erwachsene, das aus drei Teilen besteht. Der erste Teil geht speziell auf die Situation der Geschwisterkinder ein, zeigt mögliche Probleme (Mobbing, Kontaktabbrüche, Ängste, schlechte Schulleistungen) und erste Lösungswege hierfür auf. Im zweiten Informationsteil wird ausführlicher über die häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen informiert. Der abschließende Serviceteil verweist auf Stellen, wo man Hilfe finden kann.

Hier der Link, um Comic und Begleitbuch kostenlos zu bestellen: https://www.bapk.de/projekte/die-wunschperle-geschwisterbuch.html